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Eine legendäre Vollmondnacht mit dem Soundtrack der Insel

von Uwe (17.12.2017)


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Am Neujahrstag 2017 ließen wir als Band ganz offiziell die Bombe platzen und machten auf unseren Social -Media-Kanälen Facebook, Instagram und Youtube zum ersten Mal offensiv Werbung für unser Vorhaben. Ich war auf die Reaktionen gespannt, vor allem, weil ich wusste, dass es neben Pompeji (hier der legendäre Mitschnitt von 1972) wohl kaum einen passenderen Ort für ein Pink-Floyd-Tribute-Konzert geben würde als Formentera. Die Response war gewaltig und übertraf all unsere Erwartungen. Nach und nach füllten sich die Formentera-Foren mit Posts über unser Projekt, uns erreichten Fragen um Fragen und auch auf Formentera selbst machte die Meldung schnell die Runde.

Der Hauptplatz in San Francisco. (Foto: Ziegler)


Schon nach ein paar Wochen meldete Rico Bedenken an, die Blue Bar könnte eventuell zu klein sein für den zu erwartenden Ansturm. Er sollte Recht behalten. Umtriebig, wie er nun mal ist, ließ er sich davon allerdings nicht abschrecken. Er ging in die Offensive, um die Inselverwaltung höchstpersönlich von der Idee eines Pink-Floyd-Tribute-Konzerts auf der Insel zu überzeugen. Schnell waren weitere Veranstaltungsstätten im Gespräch, doch schlussendlich setzte sich neben dem Fußballstadion des SD Formentera und dem Platz neben der Fonda Pepe in San Fernando der Hauptplatz in der Inselhauptstadt San Francisco durch. Und auch der Termin, der 5. Oktober, konnte gehalten werden. Showtime sollte um 22.30 Uhr sein, der Vollmond würde also ganz sicher mitten über unserer Bühne stehen. Auch dies ein Traum.

Endlich konnten nun die vielen Fragen beantwortet werden, denn es stapelten sich Anfragen nach Ort, Zeit und den Eintrittspreisen bzw. Tickets für die Veranstaltung in unseren E-Mail-Fächern. Die Anfragen kamen von überall, Mallorca, Großbritannien, Italien – manchen schien kein Weg zu weit, um für diese abgefahrene Show auf die Insel zu kommen. Auch ein Konzert in Ibiza wurde uns in Aussicht gestellt, es konkretisierte sich und blieb auch bis unmittelbar vor Toreschluss akut, doch dazu später.

Das komplette Equipment musste in Kais VW-Bus passen.


Nun ging es daran, das Setup auf die Transportkapazität von Kais Bus und die Situation vor Ort abzustimmen. Weiniger Keyboards, nur soviel Gitarren wie unbedingt nötig, die beiden Drumsets schrumpfen – schließlich musste alles in Kais T5 passen, denn Spezielles vor Ort zu mieten, wäre, wenn überhaupt, nur schwierig zu organisieren und wahrscheinlich teuer. Das Budget war knapp, das wussten wir. Uns ging es vor allem um unvergessliche Erlebnisse, nicht ums Geldverdienen. Wenn überhaupt, so konnte jeder höchstens mit einem Taschengeld rechnen, denn alleine der Transport des Equipment kostete incl. der Fährtickets, der Autobahnmaut, dem Diesel und etwaiger Zusatzkosten bereits um die 2000 Euro. So wurde geschrumpft, soweit es ging. Ob es mit dem Rest, der immer noch ein gewaltiger Haufen war, alles klappen würde, sollten wir erst einen Tag vor der eigentlichen Abreise erfahren. Es blieb also spannend.

Parallel dazu wurde weiter die Werbetrommel gerührt. Das Interesse an dem Trip weckte große Erwartungen, sowohl bei uns, unseren Fans und Freunden, als auch auf der Insel selbst. Schon bekam ich die ersten Mails von Residentes, wie den Jungs vom Pirata Bus oder auch von Carlo, dem Inselindianer. "Was, wann, wie, wo - ach, wir sind ja so gespannt, die ganze Insel kommt zu eurem Konzert", so in der Art waren ihre Kommentare. Und der Strom an aus Deutschland mitreisenden Fans riss ebenfalls nicht ab. Mittlerweile waren wir bei knapp 60 Leuten, die wegen unserer Veranstaltung auf die Insel wollten oder mussten, das Event wurde zum Top-Thema. So traf ich auf Konzerten hier in der Heimat durch Zufall Leute, die entweder schon gebucht hatten oder sich noch am Tag des Konzerts spontan entschlossen, eine Woche Urlaub auf Formentera zu verbringen, einfach nur, um bei diesem Wahnsinn dabeisein zu können. Es war klasse, die Erwartung stieg ins Unermessliche und die Vorfreude war riesig.

Das Plakat für den großen Abend.


Mit der Gemeindeverwaltung auf Formentera und der PA-Firma Sonsformentera war dann irgendwann alles bis ins kleinste Detail in trockenen Tüchern. Die Fährtickets waren gebucht – die Fährgesellschaft Trasmapi räumte uns einen fetten Gruppenrabatt ein – , die Plakatvorlage hatte ich endlich fertig gestaltet. Es galt nur noch abzuwarten und am 2. Oktober frühnachmittags den Flieger zu besteigen.

Ryan Air strapaziert die Nerven


Dann der Schock! Vierzehn Tage vor unserem Abflugtermin ploppte bei Spiegel Online eine Meldung über gecancelte Ryan-Air-Flüge auf. Und weitere Flugabsagen würden folgen, das war schon zu ersehen. Wie paralysiert standen wir einige Stunden nach dieser Hiobsbotschaft im Proberaum, probten unkonzentriert, waren schweigsam und warteten nervös auf eine bereits angekündigte E-Mail von Ryan Air, die alle weiteren abgesagten Flüge beinhalten würde. Der Flug eine Woche vor unserem Termin, der ab Frankfurt-Hahn nach Ibiza gehen sollte, war bereits gecancelt worden. Unsere Nerven waren bis zum Bersten gespannt. Eine Flugabsage so kurz vor Toreschluss hätte das endgültige Aus für unsere Reise bedeutet, daran war nicht zu rütteln. Dann endlich, mitten in der Nacht die Entwarnung. Das Schreiben von Ryan Air war draußen, unser Flug war nicht betroffen - Hiob meinte es wohl doch gut mit uns. Weitermachen!

Tickets für 40 Urlauber schlagen auf den Preis.


Der 2. Oktober fing dann jedoch gleich mit einer kleinen Hiobsbotschaft an. Mit Kais von Deutschland aus gebuchtem (und bereits bezahltem) Fährticket gab es ein Problem: Es war bereits abgelaufen, da fälschlicherweise das Abreisedatum in Deutschland, der 30.9., als Fährtermin eingetragen war – am 2. Oktober war das Ticket also schon zwei Tage ungültig. Anfängerpech, die fast 400 Euro mussten wir trotzdem zusammenkratzen. Together we are strong, kein Problem, und gegen 9 Uhr war Kai dann endlich auf der Fähre von Denia nach Formentera, die ihn in knapp zwei Stunden zum Ort des psychedelischen Spektakels bringen sollte.

Die Fahrt bis nach Denia, knapp 1600 Kilometer mit einem Zwischenstopp in Montpellier, verlief völlig problemlos. In Frankfurt-Hahn bestieg etwa zur gleichen Zeit unsere Gruppe - jeder dritte Fluggast in der Boeing 737/800 war einer von uns - das Flugzeug, das pünktlich abhob und uns in knapp zwei Stunden nach Ibiza brachte. Der Transfer vom Flughafen zum Hafen und schließlich nach Formentera lief überraschend locker und fast wie von selbst. Wir waren angekommen, endlich, am Ziel. Nach beinahe zwei Jahren Planung und Vorbereitung standen wir gegen 18 Uhr am Hafen von Formentera. Der Trip konnte beginnen.

Am Hafen von La Sabine wartete bereits das Begrüßungskommando.


Und es fing schon gut an! Eva und Christian - er hatte an dem Tag auch noch Geburtstag -, zwei Hardcorefans aus Deutschland und meine Zufallsbekanntschaften von einem Konzert zu Hause, waren bereits vorher angereist und empfingen die ganze Truppe mit einer Runde Hierbas. Überall große Begrüßungsgesten, Küsschen hier, Küsschen da, Lachen, Kindergeschrei, strahlende Gesichter - besser und liebevoller hätte uns die Insel gar nicht empfangen können. Zumal die beiden zur Feier des Tages sogar extra noch unser Pink-Floyd-Project-Ibiza&Formentera2017-T-Shirt angezogen hatten. Der absolute Wahnsinn!



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