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Eine legendäre Vollmondnacht mit dem Soundtrack der Insel

von Uwe (17.12.2017)


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Am 5. Oktober 2017 spielte das Pink Floyd Project ein Livekonzert auf dem Kirchplatz in San Francisco. Unter Vollmondbeleuchtung gab's unter anderem das komplette Set von "The Dark Side of the Moon". Initiator und Gitarrist der deutschen Coverband ist fonda.de-Leser Uwe Sicks aus dem Saarland. Er hat seine Eindrücke zu diesem Once-in-a-Lifetime-Projekt für uns in einem ausführlichen Artikel zusammengefasst.

Wie macht man das eigentlich? Wie stellt man es an, eine Band von elf besessenen Musikern und Technikern mit Kind und Kegel auf eine Mittelmeerinsel zu bringen, um dort, mitten in der Nacht, ein Konzert auf einer unüberdachten Bühne zu spielen? Wie viel Überzeugungsarbeit musste geleistet werden? Warum gerade Formentera, das man nur per Schiff erreichen kann? Wie kann man so etwas überhaupt organisieren? Und die wichtigste Frage: Ist es den Aufwand überhaupt wert?



Nun, der Reihe nach. Ich erzähle es hier mal so, wie ich es erlebt habe. Zum ersten Mal begegnete ich Formentera 1987. Diese Insel, die einst auch Anlaufstelle für allerlei Rock-Musik-Adel und natürlich auch Pink Floyd höchstpersönlich war und immer noch ist (siehe Facebookbeitrag oben).

Uwe Sicks bei einem seiner ersten Formentera-Aufenthalte Ende der 1980er Jahre.


Klein, ohne spektakuläres Nachtleben, dafür sehr überschaubar, mit unglaublicher Natur gesegnet und für mich irgendwo in den 70ern stecken geblieben. Der Antipol zu Ballermann und Co. Das machte sie mir sofort sympathisch, diese Insel, dieses Paradies, wo man sich nicht wundern würde, wenn einem gleich hinter jeder Ecke, hinter jedem Baum Jimi Hendrix, Bob Marley oder Jim Morrison freundlich um den Hals fallen würden. Hier ist das Leben noch so, wie man es aus den meist guten Erinnerungen von früher, als ja bekanntermaßen alles besser war, im Gehirn eingebrannt hat. So viel dazu: Ich war vom ersten Moment an infiziert, unheilbar!"

Bei meinem geschätzt 30. Besuch auf Formentera, im August 2015, hatte ich mich für einen Donnerstagabend mit Rico Hartmann und seinem Onkel Peer auf der großen Plaza in Es Pujols verabredet. Rico, Chef der legendären Blue Bar, spielte dort mit seiner Band Antena Libre, und wir hatten vorher ausgemacht, dass ich einen Teil des Konzertes ungeprobt mitjammen durfte. Ich kenne Rico schon ewig, er wusste dass ich mit Gitarren rummache, und so lud er mich spontan zu einer Session ein. Nur so zum Spaß, und da das Ganze ungeprobt und in einem Musikstil ablief, der nicht unbedingt zu meinen Hauptbeschäftigungen zählte, wurde es ein gleichermaßen schönes wie anstrengendes Unterfangen für mich. Zumal mir die beiden die Tonarten immer im lateinischen Stil do-re-mi-fa-so-la-ti-do zuriefen, und meine Gitarre – ich weiß bis heute nicht warum – in eb, also einen halben Ton tiefer als normal, gestimmt war. Aber irgendwie rettete ich mich über die Zeit, es gab sogar einige Glanzlichter, und am Ende kam für mich ein unvergesslicher Abend heraus.

Eine fixe Idee


Natürlich quatschte ich nach dem Konzert noch lange mit Peer und Rico, weil wir einfach total aufgedreht waren, die Stimmung prächtig war und der Abend – obwohl es schon weit nach Mitternacht war - gefühlt erst angefangen hatte. Und natürlich kam die Rede auch auf das Pink Floyd Project (Facebookseite der Band), auf die Band, die 2003 gegründet wurde und bei der ich 2015 angeheuert hatte. Das Ganze schien sich zu einem sehr vielversprechenden Projekt zu entwickeln. So dauerte es natürlich nicht lange, bis Rico und Peer total angefixt waren von der spontanen Idee, diese Band nach Formentera zu holen. „Die Blue Bar wird bersten vor Zuschauern“, so die begeisternden Worte der beiden im ersten Überschwang, als sie versuchten mich von ihrer Vision zu überzeugen. Nur, überzeugen mussten sie mich gar nicht. Ich hatte selbst schon lange solch einen Traum, jedoch nie an die Erfüllung geglaubt. Und so einfach, wie der Gedanke in jenem fixen Moment ausgesprochen wurde und die Idee plötzlich im Raum stand, so einfach würde es sicher nicht werden.

Zurück in Deutschland, fühlte ich vorsichtig vor, jedoch ohne die Katze so richtig aus dem Sack zu lassen. Ich machte nur vage Vorschläge. "Lautes Denken", wie ich es immer nenne. Darauf folgte meist interessiertes und zustimmendes Kopfnicken. Nicht schlecht fürs Erste. Es war mir wichtig, beide Seiten - Rico, Peer und Günther (Ricos Vater, der mittlerweile ebenfalls infiziert war) auf der einen, und meine Bandkollegen auf der anderen Seite - vorsichtig und ohne allzu große Versprechungen an das Thema heranzuführen. Es folgten Monate des Sondierens, E-Mails und WhatsApps zwischen Rico und mir, und im Frühjahr verfestigte und konkretisierte sich der Gedanke, mit dem Pink Floyd Project auf Formentera zu spielen.

Rico und Günther hatten den festen Wunsch, die Band auf die Insel zu holen. Die Eckdaten waren zwar noch nicht fixiert, außer, dass es besser im Herbst wäre wegen der Vielzahl der dann anwesenden „typischen“ Pink-Floyd-Fans, und dass es in der Blue Bar, auf der Bühne am Meer, stattfinden sollte. Von meiner Seite war das völlig okay, mehr als ich je gedacht hätte, ein Traum, zum Greifen nah. Und so machte ich mich daran, in einer ergreifenden Mail (wurde mir später so erzählt) meine Bandkollegen erst von der Insel, und dann von dem außergewöhnlichen Event zu überzeugen. Ich beschrieb die Insel so ähnlich wie hier, die Beziehung, die Pink Floyd zu Formentera hat, die Blue Bar, Rico und das ganze Team, und mit einer möglichen Beschreibung dessen, was uns wohl erwarten würde. Am 26. Mai 2016 drückte ich in den Mittagsstunden den "Senden"-Button und harrte gespannt der Dinge, die dann folgen sollten.

Ergreifendes Feedback auf die Mail


Was in den beiden darauffolgenden Tagen mein E-Mail-Postfach füllte, war ebenso ergreifend wie die Mail, die diese Reaktion wohl auslöste. Alle, ohne Ausnahme, sagten ja zu diesem Experiment mit offenem Ausgang. Wow, das musste sich erst mal setzen. In der nächsten Probe musste ich tausende Fragen beantworten und es wurde mehr geplant, überlegt und geträumt als musiziert. Unser Percussionist und Drummer Kai erklärte sich ohne großes Nachdenken spontan bereit, die Backline – alle unsere Instrumente – in seinem VW-Bus auf die Insel zu fahren. Wir müssten also nur noch fliegen, mit leichtem Gepäck, so wie in einen ganz normalen Urlaub. So ähnlich sollte es ja auch werden, ein Urlaub mit Sahnehäubchen, einem Konzert auf der Hippie-Insel Formentera. Zu unglaublich noch der Gedanke, aber greifbarer denn je.

Mit 60 Leuten nach Formentera


Im Oktober 2016 flog ich mit meiner Frau Marsha nochmal ein paar Tage nach Formentera, um alles unter Dach und Fach zu bringen und das finale Okay einzuholen. So ganz trivial ist es denn nun doch nicht, da muss vieles bedacht werden: Urlaube, Schulferien, Transportkosten, technische Fragen, bis hin zu Genehmigungen, wer wo und wann überhaupt am Strand spielen darf. All das waren Fragen, die in Angriff genommen werden mussten, aber dennoch war endgültig klar: Das Pink Floyd Project spielt auf Formentera. Zu Hause war die Freude riesig, und sofort machten sich alle daran, nach Appartements und Flügen Ausschau zu halten. Klar war, dass das Ganze in der Zeit zwischen dem 2. und 9. Oktober stattfinden musste. Einerseits wegen den Schulferien im Saarland und in Rheinland Pfalz – schließlich kamen Kinder mit –, andererseits wegen der Flugzeiten von Ryan Air. Diese Fluglinie flog zweimal wöchentlich ab Frankfurt Hahn und das lag quasi vor der Haustür, die Timeslots der Flüge passten wunderbar, perfekt. Zwischenzeitlich machte der Trip im Bekanntenkreis die Runde, sodass sich die Zahl der Teilnehmer - die Band inklusive Partner und Kinder waren schon 23 Personen - erst auf 40, dann auf 50 und schließlich fast auf 60 Personen erhöhte. Da zum Beispiel die Hälfte unseres Chores aus jungen Müttern besteht, war für die Damen von vorneherein klar, dass für jedes der Kinder eine eigene Nanny für die Dauer des Konzertes vor Ort sein musste. Freundinnen, Schwestern und Tanten, die diese Rolle vor Ort übernehmen sollten, waren schnell gefunden. Unser Tross wuchs und wuchs. Langsam begann mir der Trip, dieser fixe, in einer mediterranen Sommernacht ersonnene Traum, mächtig Respekt einzujagen.

Was für ein Timing: Der 5. Oktober sollte eine Vollmondnacht sein. (Foto: Pexels)


Nur durch Zufall merkte ich irgendwann, dass uns genau in jenem Zeitraum, exakt am 5. Oktober 2017, eine Vollmondnacht auf Formentera erwarten würde. Da wir unter anderem die komplette "Dark Side Of The Moon" spielen würden, war so von jenem Moment an klar, dass das auch unser Termin für das Konzert auf Formentera sein musste. An dieser Einmaligkeit kam keiner herum. Niemand, weder von Veranstalterseite und erst recht nicht vonseiten des Publikums, würde einen anderen Termin akzeptieren. Wenn schon, denn schon - Vollmond, was sonst? Es folgten Wochen des Appartements-Checken, und beinahe unabgesprochen mietete sich die komplette Truppe rund um den beschaulichen Fischerort Es Caló ein. Wir würden alle in einem Umkreis von etwa einem Kilometer wohnen, sehr angenehm. Zudem Es Caló ein Traum ist. Urgemütlich, mit kleinem Hafen, sehr netten Restaurants, der genialen Bistro-Veranda des El Rafalet und prima Schwimm- und Schnochelmöglichkeiten in unmittelbarer Nähe. Dazu ein Supermercado, der alles anbietet, vom Nähset bis hin zu glutenfreiem Bier – Es Caló wäre die perfekte Basis für unseren Trip.



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