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Rückkehr nach neun Jahren

von Uwe (01.11.2017)


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Der nächste Tag ist perfekt für einen langen Spaziergang am Illetes-Strand. Es hat 34 Grad in der Sonne, eine leichte Brise weht. Insgesamt begegne ich zur Mittagszeit schätzungsweise 70 Menschen an dem wohl beliebtesten Abschnitt der Insel. Wer schon mal zur Hauptsaison hier war, wird leise weinen. Das letzte Lokal vor der Landzunge, das Ministre, hat längst geschlossen.

Am sonst so überfüllten Illetes ist man nahezu ungestört.


Auf dem Rückweg gibt's Waffeln in dem Waffelladen in Es Pujols. Den gab es bei meinem ersten Inselbesuch 1989 auch schon, und auch der Besitzer ist noch da. Sehr gern mag ich nach wie vor die Gegend um Cala en Baster. In der Nachmittagshitze gehe ich die Felsstufen runter bis ans Meer und genieße die Stille - wieder mal bin ich ganz allein. Ich bin ganz bestimmt kein Misanthrop, aber wie selten kommt es im Alltag vor, dass man mal für sich ist und Zeit zur inneren Einkehr findet? Das ist wahrer Luxus, und den finde ich in diesen Tagen zuhauf auf Formentera.

Cala en Baster.


Dann geht's an den Migjorn zum Pelayo. Ordentlich was los, eine deutsche Gesellschaft stimmt sich auf eine Hochzeitsfeier ein, die am nächsten Tag auf der Insel stattfinden soll. Ich esse ein Pollo Pelayo, ein Huhn nach Art des Hauses. Dazu gibt's Pommes, Gemüse und Salat - das alles zum fairen Preis von 12,80 Euro.

So haben Touristen, die zur Saison auf Formentera sind, Es Pujols noch nicht gesehen.


Wie voll es an einem Samstag zur Hauptsaison in Es Pujols ist, muss ich keinem Inselkenner näher erläutern. Das aber ist Mitte Oktober komplett anders. Der sonst so quirlige Ort atmet tief durch, die Partymeile ist wie ausgestorben. Das Thermometer zeigt 33 Grad in der Sonne, Zeit für einen Badetag. Den aber sollte man - auch zur Nachsaison - nicht am Illetes einlegen, denn dort tummeln sich viele Tagestouristen.

Kristallklares Wasser am Tanga-Beach.


Viel leerer ist es ein paar hundert Meter weiter, am Levante-Strand, genauer gesagt am Tanga-Beach. Das Wasser ist hellgrün und kristallklar, die Wassertemperatur meines Erachtens optimal. Wie immer liegen hier Angezogene und Nackte in friedlicher Koexistenz nebeneinander, der Rettungsschwimmer hat an diesem windstillen Nachmittag rein gar nichts zu tun. Nicht einmal Posen ist angesagt - die Groupies fehlen.

Länger als zwei Stunden halte ich es nicht aus am Strand. Ich fahre zum Migjorn und besuche den Gedenkstein, den Betonkünstler Schoppi einst für die einen Steinwurf vom Piratabus ertrunkene Beate aus Norddeutschland angefertigt hat.

Schoppis Werk erinnert an die ertrunkene Beate.


Ich war damals, im September 1999, auf der Insel. Rolf Lüke stellte mir seine Schwester Beate auf dem Mäuerchen neben der Fonda Pepe vor. Die Flugbegleiterin, Formentera-Liebhaberin wie ihr Bruder, war für ein verlängertes Wochenende auf die Insel gekommen. An jenem 18. September vor nunmehr 18 Jahren lag sie am Migjorn-Strand, vertieft in den "Spiegel". Aufgeschreckt durch Hilferufe, warf sie das Nachrichtenmagazin zur Seite und lief ins Meer, um einer Frau, die in einen tückischen Strudel geraten war, zu helfen. Der so schöne, wenn auch windige Sommernachmittag endete mit zwei Toten - eine Tragödie.

Beates Bruder gründete später "Blausand", eine Organisation, die sich mit dem Thema Strandsicherheit befasst(e), nicht nur auf Formentera. Alle - Rolf, Beate, Corinna und Schoppi - sind längst nicht mehr unter uns, und auch "Blausand" konnte nach Rolfs Tod (hier ein schön geschriebener Nachruf von Ulli) niemand so enthusiastisch fortführen, wie der Bremer das gemacht hat. Für ihn war es nach dem Tod seiner Schwester zur Lebensaufgabe geworden, und er würde sich freuen, zu sehen, wie viel er damit bewirkt hat. Auf Formentera, so erzählt mir ein Insulaner, gibt es so gut wie keine Toten durch Ertrinken mehr. "Mopedunfälle ja, viele sogar", sagt er. Die Strände aber sind, nicht zuletzt durch Rolfs Engagement, sicherer geworden. Die Zahl der Rettungsschwimmer wurde spürbar erhöht. Mein alter Freund da oben, ich bin sehr stolz auf Dich.

Formenteras Strände sind wesentlich sicherer geworden.




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