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Rückkehr nach neun Jahren

von Uwe (01.11.2017)


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Neun Jahre sind eine lange Zeit. Zwischen 1989 und 2008 war ich etwa 15-mal auf der Insel. Im Herbst 2008 mit meiner Lebensgefährtin und der damals noch ganz kleinen Tochter für fast drei Wochen in einer kleinen Anlage am Migjorn-Strand, und mir war klar, dass nun eine längere Pause folgen würde. Dass die gleich so lange ausfallen wird, dachte ich nicht.

Die Insel ist teuer geworden, zur Ferienzeit kaum noch bezahlbar. Also entschied ich mich - inzwischen Vater zweier Kinder - im Oktober 2017, "meine Insel" nach knapp einem Jahrzehnt auf Solopfaden neu zu erkunden. Zur Nachsaison, per Billigflieger.

Auch diesbezüglich steht dem Formentera-Aficionado eine ungewisse Zukunft bevor. Air Berlin ist Geschichte, und damit werden nach derzeitigem Stand der Dinge zahlreiche Billigflüge wegfallen. Um 30 bis 40 Prozent sollen Flüge nach Mallorca und Ibiza teuer werden, erwarten Experten. Mein Flug hat knapp 165 Euro gekostet. Mit im Flieger saß eine Frau, die hatte nur 90 Euro bezahlt. Ich hätte auch einen Flug für 100 Euro bekommen, dann aber die letzte Nacht auf Ibiza verbringen müssen. Das wollte ich nicht.

Der erste Blick auf Formentera


Am 17. Oktober kurz vor 14 Uhr wechsle ich von der rechten Fensterseite im höchstens zu einem Drittel gefüllten Niki-Flieger, den Air Berlin abwickelt, nach ganz links. Erhöhter Pulsschlag, als ich bei wunderbarem Wetter kurz vorm Landeanflug auf Ibiza meine alte Liebe wiederentdecke. Sie sieht immer noch genauso schön aus wie vor neun Jahren, zumindest auf den ersten Blick. Wie sehr sich ihr Charakter verändert hat, wollte ich herausfinden.

Es war mein erster Inseltrip nur mit Handgepäck. Das kann ich jedem nur empfehlen. Online am Vortag eingecheckt, damit schon mal die erste Schlange vermieden. Sofort nach der Landung auf Ibiza raus aus dem Flughafengebäude und rein in den 10er Bus Richtung Hafen. Die Fahrt kostet inzwischen 3,50 Euro, und man darf sich nicht aus der Ruhe bringen lassen, wenn der Bus irgendwann einen längeren Halt einlegt und ein Fahrerwechsel vorgenommen wird. Anschließend geht es die noch fehlende eine Station weiter, und auf der Straße gegenüber dem Hafen endet die Fahrt.

Rund 45 Euro kosten Hin- und Rückfahrt mit der Balearia.


Es ist kurz vor drei, und pünktlich um 15 Uhr legt ein hässlicher Dampfer der Balearia-Gesellschaft ab. Nichts mit draußen sitzen, aber das ist mir egal - ich will so schnell wie möglich rüber. Hinter mir im Schiff sitzt ein deutsches Paar, und ich höre den Begriff "Joven Dolores". Ich drehe mich zu den beiden um und erfahre, dass sie heute zum ersten Mal seit 20 Jahren wieder zurückkehren nach Formentera. Sie lernten sich in den späten 1970er Jahren kennen.

"Mir hatte damals nicht nur das Schiff gefallen, das in La Sabina ankam, sondern vor allem auch der Kapitän", erzählt die Frau. Sie hatten einst ein Häuschen auf der Insel, doch das haben sie lange schon verkauft. Die beiden haben die Welt bereist und waren nahezu überall. "Nirgends im Mittelmeerraum sind die Strände schöner als auf Formentera", sagt der einstige Kapitän. Höchstens die Strände der DomRep könnten da mithalten, meint er. Das Paar lebt inzwischen auf Mallorca und ist nun unterwegs zu einer Freundin, die auf Formentera lebt. Naja, und da kommt bereits auf der Überfahrt Wehmut auf, weil die alte Joven längst verschrottet wurde und man in einem Monstrum von Schiff rübergekarrt wird. Ich habe sie später leider nicht mehr getroffen, schade. Ihre Meinung hätte mich interessiert.



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