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Das Mysterium Dylan lebt

von Uwe (12.01.2014)





Bob Dylan
Das Mysterium gibt keine Ruhe. Die Webseite larioja.com berichtet in ihrer Ausgabe vom 3. Januar über Formentera und über einen Mann, der sie einst besucht haben soll. Bob Dylan, - angeblich - auf der Insel im Jahr 1967 angekommen, um seinen Ruhm zu entkommen , soll eine feste Größe in der Fonda Pepe gewesen sein, heißt es da.

Im sozialen Netzwerk Tumblr schreibt ein User namens song-and-dance-man über das Mysterium Bob Dylan im Zusammenhang mit Formentera. Er beruft sich auf einen Artikel des Diario de Ibiza vom 30. April 2010.

Diario-Autor Pedro Martín Matilla schreibt, dass Dylan 1967, nachdem er sich von seinem Motorradunfall (im Juli 1966) erholt hatte, einem Ratschlag seines geistigen Mentors Allen Ginsberg folgte und gemeinsam mit seiner damaligen Frau Sara nach Formentera reiste. Genauer gesagt im Mai 1967, die Überfahrt hätte 14 Peseten gekostet. Im Mai 1967 feierte Dylan seinen 26. Geburtstag.

Auf der Insel soll Dylan Professor Pío Tur Mayas getroffen haben, mit dem er Schach spielte und über Literatur, Philosophie und Musik fachsimpelte, meistens natürlich in der Fonda Pepe. Bei Mayas kann man leider keine Nachforschungen über den Wahrheitsgehalt dieser Aussagen mehr einholen - er starb 2009 in Palma.

Bekannt ist, dass sich Bob Dylan nach seinem Motorradunfall zwei Jahre komplett aus der Öffentlichkeit zurückzog. Bekannt ist auch, dass der Dokumentarfilm "Dont Look Back" des US-Regisseurs D. A. Pennebaker am 17. Mai 1967 im Paradiso Theatre in San Francisco uraufgeführt wurde. Der Film beginnt mit dem "Subterranean Homesick Blues". Dylan hält verschiedene Wörter auf Papptafeln in die Kamera, diese Sequenz gilt als früher Vorläufer des Musikvideos.



Dylan soll auf der Insel mit den Kompositionen seines stark durch die Bibel beeinflussten Folkalbums "John Wesley Harding" begonnen haben. Der Longplayer wurde zwischen dem 17. Oktober und 29. November 1967 in den USA eingespielt und am 27. Dezember 1967 veröffentlicht. Alle Songs auf dem Album sind vertonte Gedichte, die Dylan ursprünglich ohne musikalische Begleitung verfasst hatte. Das bekannteste Stück ist "All Along the Watchtower", das durch die Rockversion von Jimi Hendrix legendär wurde.

Auf Formentera suchte Dylan angeblich auch die Bibliothek seines Namensvetters Robert "Bob" Baldon auf, der die Biblioteca Internacional einen Steinwurf von der Fonda entfernt bis zu seinem Tod 1998 betrieb. In Niklaus Schmids Buch "Formentera - eine Insel auf dem Weg zur Legende" bestreitet Baldon nicht, Dylan getroffen zu haben - allerdings in New York, als der noch einer von vielen unbekannten Sängern in Greenwich Village war. An einen Besuch Dylans auf Formentera konnte sich Baldon im Gespräch mit Schmid nicht erinnern.

Dem Inselmysterium Bob Dylan wollte im September 2004 auch fonda.de-Urgestein Ulli Muhl auf den Grund gehen. Er traf Juan Moliner, der die alte Mühle in El Pilar, die "Molí Vell De La Mola", nach eigener Aussage für sechs Monate an Dylan vermietet hatte. Moliner konnte sich im Gespräch mit Ulli daran erinnern, dass Dylan eine Gitarre dabei hatte und während seiner Inselzeit viel schrieb. Allerdings sprach der Insulaner vom Zeitraum ab Oktober oder November 1968. Es ist nicht zweifelsfrei nachgewiesen, dass Dylan überhaupt auf Formentera war. Ob er sogar zweimal die Insel aufsuchte, darf deshalb angezweifelt werden. Möglicherweise hat sich Moliner im Jahr vertan. Ende 1968, Anfang 1969 jedenfalls war Dylan anderweitig unterwegs, wie fonda.de-Leser Jürg geschrieben hat. Und in Dylans Chronicles Teil 1 taucht die Insel auch mit keinem Sterbenswörtchen auf.

Wie dem auch sei: Das Mysterium Dylan lebt. Im Mai 2012 wurde Dylans 71. Geburtstag auf dem Kirchplatz von San Francisco groß gefeiert. Musiker aus Argentinien, Uruguay, Frankreich, den Niederlanden, Deutschland und von der Inselvereinigung Amigos de la Biblioteca Internacional de Formentera spielten 71 Songs "von Bob für Mr. Dylan", auch auf dem Hippiemarkt auf der Mola fanden Festakte statt. Ob His Bobness irgendwann einmal auf der Insel war oder nicht, spielt da eine eher untergeordnete Rolle.


 
 

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