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Das Fest - ein Nachklatsch

von Uwe (30.06.2006)





Peter.
Am Anfang stand die Idee, mal wieder eine Fiesta auf die Beine zu stellen. Von Peter Wahle, der im Forum der fonda.de unter "DeralteMann" bekannt ist. Die Insel sollte der Aufhänger sein, drumherum Musik, eine Lesung des allseits bekannten Niklaus Schmid, dazu spanische Leckereien, und das alles in einem passenden Ambiente. Peter rief mich an, ich fand seinen Vorschlag gut und ließ ihn machen. Finanzielle Interessen spielten aus meiner Sicht keine Rolle. Im Gegenteil: Wie schon beim ersten fonda.de-Treffen auf deutschem Boden war ich derjenige, der die weiteste Anreise anzutreten hatte.

Schnell stellte sich heraus, dass unsere Vorstellungen von einer fonda.de-Fiesta ein wenig auseinanderdrifteten. Mein Vorschlag war ein Fest für 50 bis 75 Leute in einem spanischen Lokal mit angenehmen Ambiente. Am liebsten so, wie vor einigen Jahren in Bremen. Jeder zahlt das, was er verzehrt, man sitzt an mehreren Tischen beisammen, fertig aus. In Bremen waren's 26 Inselfreunde, diesmal also mehr und drumherum ein Rahmenprogramm, auch gut. Niklaus Schmid passt wie die Faust aufs Auge auf eine solche Fiesta, und gegen ein wenig gute Musik - nicht zu laut - ist schon mal gar nichts einzuwenden.

Mit den rheinländischen Gepflogenheiten bin ich nicht sehr vertraut, aber laut Peter war's ein Ding der Unmöglichkeit, eine passende Location zu finden. Sein Tonstudio in der Corneliusstraße war ursprünglich auch mal angedacht, aber er wollte "niemanden draußen stehen lassen" und deshalb die Teilnehmerzahl nicht begrenzen - also war das Studio seines Erachtens zu klein. Er rechnete wenige Wochen vor dem 6. Mai mit 200 bis 300 Leuten, noch am Vorabend der Fiesta "vielleicht sogar mit 600". Es war zu spät, um auszusteigen, und irgendwie vertraute ich diesem mir relativ unbekannten Menschen. Insel-Liebhaber wie ich, wird schon gutgehen. Etwas naiv.

Als ich etwa zwei Wochen vor der Fiesta hörte, wo das Ganze stattfinden soll und was auf der Speisekarte stand, kam mir die Fiesta dann vollends spanisch vor. VIP-Zelt von Fortuna Düsseldorf, Flöns (Blutwurst mit Brötchen), Käsebrötchen. Ich sprach mich gegen das Zelt aus, sah aber ein, dass in der Kürze der Zeit nichts besseres mehr aufzutreiben war und ließ mich von Peter mit den Worten "Nik (Schmid) findet die Idee mit dem Zelt auch gut" überzeugen. Ich verstand zwar nicht, warum es in ganz Düsseldorf keinen passenden Catering-Service geben sollte, aber das Gegenteil konnte ich aus der Entfernung auch nicht beweisen. Peter startete im Forum der fonda.de nochmals einen Aufruf, ging auf gut gemeinte Antworten jedoch nicht ein: Von Userin La B. erfuhr ich am Fiesta-Abend, dass ihre Tipps das Kulinarische betreffend von ihm mit Nichtachtung bestraft wurden (nachzulesen auch im Thread zur Fiesta).

Kurz vor knapp ging einiges schief. Servicekräfte sagten kurzfristig ab, die Technik lahmte, Behördenscheiß. Peter hatte wochenlang Zeit in die Sache investiert und sah seine Felle davonschwimmen, bekam sie aber doch immer wieder zu fassen. Für seine Hartnäckigkeit ein dickes Lob.

Freitagnacht, kurz nach halb eins, kamen meine Freundin und ich in Peters Tonstudio in der Corneliusstraße an. Britta, extra aus Kiel angereist, fand die Bandprobe "ganz okay", bei einem ersten Bier lernte ich Peter und die anderen kennen. Um halb vier ging's einmal um die Ecke, zu Peters Wohnung. Er hatte seine Bude auf Vordermann gebracht, uns extra Haus- und Wohnungsschlüssel nachmachen lassen, sein Bett frisch überzogen, im Bad Handtücher bereit gelegt. Noch kurz das Pinguin-Bild in seinem Wohnzimmer begutachtet, dass er einst für teures Geld wieder verhökern wollte, dann ging's in die Horizontale.

Fiestatag, 14 Uhr. Ein Musiker ist ein Musiker, ein Gastronom ist ein Gastronom. Weil ein Musiker kein Gastronom ist, sollte er fremde Hilfe in Anspruch nehmen. Denn: Einem Musiker geht es in allererster Linie um einen guten Sound. Auch wenn in wenigen Stunden hundert Leute (oder gar 600) auf der Matte stehen, checken sie selbigen bis zum Erbrechen. Stunden um Stunden. Wir stellen die Getränke kalt, räumen ein wenig auf, machen den Küchenbereich startklar, so weit es eben geht. Ulli und Maria treffen bereits am Nachmittag ein.

Fiestatag, 17.30 Uhr. Der Sound wird noch immer gecheckt. Es sieht weiterhin wie auf einer Großbaustelle aus. Zaghafte Intervention meinerseits, dass es sich doch in erster Linie um eine Formentera-Fiesta handelt und nicht um ein Rockkonzert.

Viertel nach sechs. Noch eine Viertelstunde, dann trudeln die ersten Gäste ein. Es sieht nicht sehr einladend aus. Kabelverhau, wirr positionierte Tische. Zwei Frauen machen sich die Arbeit und ziehen rote und gelbe Plastiktischtücher über die Biertische. "Was? Habt ihr jetzt alle Tischdecken verballert?", höre ich. Ulli und ich platzieren die Stehtische in einer für uns sinnvollen Form. "Da nicht, sonst stehen so viele Leute rum", kommt's uns entgegen. Wie - viele Leute - es kommen ja auch viele Leute, ist doch klar, dass viele Leute rumstehen, antworte ich. "Nee, aber nich' so". Widerspruch wird nicht geduldet. "Uwe, ich mach das jetzt sechs Wochen, willste mit mir streiten?" Nein, wir wollen dir helfen. "Mach doch mal einen konkreten Vorschlag", rät Ulli. "Vier Tische links, vier Tische rechts von der Bühne." Aber wir haben doch vier Tische platziert, passt doch. Hat keinen Sinn. Spätestens von diesem Zeitpunkt an ist für mich klar, dass das keine Fiesta, und schon gar keine fonda.de-Fiesta wird. Das wird ein Konzertabend. Ich klinke mich aus, weil ich die sechs Stunden aus Ingolstadt sicher nicht des Streitens wegen gekommen bin.

Bin froh, einige vertraute Gesichter um mich zu haben, Adrenalin wird langsam wieder auf Normal runtergefahren. Lo. Ulli. Nik. Cord. Marco. Wäre nett, denen ein paar Tapas anbieten zu können.

Gleich halb sieben. Vorm Zelteingang hat's zum x-ten Male die Tischdecken der draußen stehenden, ausrangierten Bistrotische weggeweht. Das macht keinen schönen Eindruck für die ankommenden Gäste, wir legen sie wieder drauf und hoffen, dass es jetzt hält. Drinnen wird weiter der Sound gecheckt. Ein Eingangsbereich ist noch nicht vorhanden. Bei mir macht sich langsam Panik breit. Jemand muss die Leute doch begrüßen. Ich beruhige mich: Das Ganze kostet Eintritt. Jemand WIRD die Leute begrüßen.

Kurz nach halb sieben. Die ersten Gäste sind da. Der Sound wird gecheckt. Darf man Saxophonisten erschießen?

Halb acht. Zwischendurch gab's mal ein wenig Hintergrundmusik. Gleich geht's los. Irgendwie. Die Mädels schmieren Käsebrötchen und Peter raunzt jemanden an, der gar nicht zum Service gehört, sondern freiwillig hilft. Er will keine roten Servietten unter den Brötchen. Halbe Scheibe Brötchen, zwei Scheiben Käse, einen Zwiebelring. Zwei Euro. "Tankstellenpreise" hab ich einige Male gehört. Die Getränkepreise dagegen gehen in Ordnung.

Es ist acht durch. Kurzes Gespräch mit Niklaus Schmid. Er hat schon viele Lesungen gehalten, und er als Profi spürt, dass nun etwas passieren muss. "Man muss den Leuten sagen, was auf dem Programm steht". Er tut mir ein wenig Leid. Ich hoffe, dass er sich nicht allzu unwohl fühlt. Peter kommt auf mich zu. Redet nun wieder mit mir. Ich solle die Ansage machen und doch bitte auf seine Merchandising-Artikel verweisen, es wäre ja doof, wenn er das selbst machen würde. Wäre doof, ja, aber ich bin nicht der Pausenclown. Fühle mich fremd auf meiner ursprünglich eigenen Fiesta, der ich das fonda.de-Etikett schon längst weggekratzt habe. Keine Lust, sein Zeug anzuprangern. Ansage ja, aber ich bin nicht der Werbeonkel. Schon gar nicht für Produkte, hinter denen ich nicht stehe. "Warum er sich geweigert hat, entzieht sich meiner Kenntnis." O-Ton "DeralteMann" hier im Forum. No comment.

Zwei Minuten später. Ich stehe neben Nik. Er sagt, er macht jetzt die Ansage. Nee, die Ansage kann ich schon machen. "Aber Peter meint, ...". Dann eben nicht. In solchen Situationen neige ich gelegentlich zu Übersprungshandlungen, und das hätte der Fiesta nicht gut getan. Loyal wollte ich bleiben, die Besucher können nichts dafür, dass es hier ein wenig aus dem Ruder läuft.

Nik auf der Bühne. Kurze Ansage. Ein Set Musik, dann liest er ein Stück aus seiner Hörbuch-CD. So soll's kommen. Bald. Erst noch ein wenig Soundcheck.

Rolf, glücklich über Werders 6:0.
Rolf Lüke (Blausand) kommt mit Claudia. Trägt ein Trikot mit der Aufschrift "Drei Punkte sind Bremer Recht". Meiner Bitte, doch endlich sein Hemd zuzuknöpfen, kommt er nicht nach. Bayern ist Meister! Jemand fragt, ob Werder noch in der ersten Liga spielt. Tun sie. Sie können sogar noch Zweiter werden, wenn sie am nächsten Samstag den HSV putzen. Ist ja auch schön, Zweiter. Rolf hat Hunger, fragt mich gleich am Eingangsbereich nach was Essbarem. Ich kann ihm nicht sagen, wo's was gibt. Wahrscheinlich bin ich einer der Wenigen, die an diesem Abend überhaupt nichts gegessen haben.

Gleich halb neun. Jetzt ist der Sound gecheckt. Es geht los, und zwar laut. Draußen ist es lau, mäßig windig. Man sitzt zwischen VIP-Zelt und Paul-Janes-Rasen und versucht sich zu unterhalten, was gar nicht so einfach ist. Später meint eine Frau: "Wer nicht wirklich gut spielt, spielt laut - schreib das auf, bitte". Ich glaub, die Band ist okay. Einige tanzen. Nach so viel Soundcheck muss ja auch was bei rumkommen.

Kurze Pause, dann beginnt Nik mit seiner Lesung. So gut wie alle strömen ins Zelt. Einige quatschen noch ziemlich laut, Peter bittet um Ruhe. Wen's nicht interessiert, der soll rausgehen. Mal ein guter Vorschlag.
Nik während der Lesung.
Niks Lesung ist schön. Peter spielt die Originalmusik aus der Hörbuch-CD ein, und Nik liest. Feine Sache, für mich das Highlight des Abends. Es freut mich sehr, dass Nik hier war, und zwar nicht nur kurz zur Lesung, sondern vom späten Nachmittag bis nach Mitternacht. Hat sich für jeden Zeit genommen. Dass seine Bücher und die nagelneue Hörbuch-CD auf dem Merchandising-Tisch liegen, ist keine Werbung. Das ist Service.

Mit einigen Leuten komme ich ins Gespräch. Lerne die beiden fonda.de-Übersetzer kennen, Marion und Akkku. Weiß nun, wer sich all die Arbeit für die vielen Leser macht, zwei interessante und liebenswerte Inselfreunde. Gerne würde ich alle begrüßen, aber mir ist nicht mehr nach Ansage. Warum Peter auf der Bühne plötzlich meint, ich möchte einige Worte an alle richten, ist mir schleierhaft. Niemand hatte das veranlasst. Es wird eine kurze Ansage. Auf der Zugfahrt von Ingolstadt nach Düsseldorf habe ich seitenweise Notizen gemacht, ich hätte gerne einiges erzählt. Wie's anfing mit der Seite vor bald schon acht Jahren, dass der inselverrückte Guido einer der Ersten war, die mich angeschrieben haben. Beate, die einen Tag nach der allerersten fonda.de-Fete in der Fonda Pepe am Migjorn ertrank, Rolfs Idee, die Zahl der Ertrinkungsopfer zu reduzieren ("Jetzt muss was passieren!"). Miguel, mein treuer vierbeiniger Begleiter von der Insel, den ich mit neuneinhalb Wochen mit nach Hause geschleppt habe. Wie sich langsam eine Community bildete, Namen Gesichter bekamen. Forum, Storys, Fotos, Highlights wie "Bobs Formentera" oder "Kalle Pauschalski". Redesigns, Freundschaften, nächtliche Telefonate mit Freunden, einige Monate Sendepause nach heftigen Turbulenzen im Forum, Bekanntschaften mit Beni Trutmann und Niklaus Schmid, dann das große Relaunch mit dem von Peter Melchior programmierten Redaktionssystem. Benis völlig überraschender Tod, zahlreiche Inselbesuche, sprunghaft ansteigende Zugriffszahlen, monatlich über 500.000 Pageviews und 1650 registrierte User auf der fonda.de. Und als Highlight ein fonda.de-Treffen mit 100 Leuten in Düsseldorf. Sehr gerne hätte ich davon erzählt, aber nachdem das hier mit der fonda.de nur noch insofern zu tun hatte, als dass die Website die Plattform war, um möglichst viele Leute zu erreichen, war mir die Lust vergangen.

Das hat nichts mit Kompetenz- oder Machtgerangel zu tun. Es hat mit der Idee zu tun, die diesem Fest ursprünglich zugrunde lag.

Nach dem zweiten Set der Amigos wird der Ober-Amigo dabei beobachtet, wie er als Allererstes nach seinem Gig die Kasse plündert und die Einnahmen zählt. Nicht das erste Mal habe ich mich an diesem Abend fremdgeschämt. Ich sag nur Gewinnspiel.

"Das hätte ich dir schon vorher sagen können, dass Peter nur auf Kommerz aus ist", erzählt mir jemand. Ich bekomm dann gleich immer dieses Beschützersyndrom. Dass da schon sehr, sehr viel Organisatorisches dahintersteckt, was ich nicht stemmen möchte (was man aber auch nicht unbedingt stemmen können muss, wenn man eine Fiesta wie zum Beispiel die in Bremen veranstaltet). Aber es geht mir gar nicht so sehr um die Kohle. Von dem einen Euro pro verkaufter Karte werde ich ohnehin nichts sehen. Es geht mir, um's etwas pathetisch zu formulieren, um die Seele eines solchen Festes. Ich hab's mir einfach spanischer, etwas stilvoller vorgestellt.

Carsten.
Es war bei weitem nicht alles ärgerlich, überhaupt nicht. Viele sehr nette Leute. Nicht nur die bereits erwähnten, sondern auch solche wie Carsten, der Keyboarder in Peters Band, der uns seinen Golf zur Verfügung stellte, um nachmittags nochmal heimfahren zu können in Peters Wohnung, der hinlangen kann wie ein Stier und trotz aller Hektik stets höflich bleibt. Und auch die beiden Mädels im Servicebereich.

Es war ein Fest in einem VIP-Zelt ohne VIPs. Lauter ganz normale Menschen mit der einen Macke, die sie verbindet. Ich sage nicht, dass ich so etwas auch kann. Weil ich es so nicht können möchte. Aber ich kann mir gut vorstellen, dass es zum Zehnjährigen der fonda.de eine spanische Fiesta irgendwo im süddeutschen Raum geben könnte. Dann aber so, dass ich voll dahinterstehen kann.

Zum Fest gibt es Fotoserien von...

  • Lo
  • Ulli
  • Marco und
  • Conny sowie einige
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