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Requiem für La Riada?

von Hans-Lothar Klatt (17.02.2005)





Es ist zwei Jahre her, dass Heidi Kueck uns "La Riada" näherbrachte. Johannes F. Schultz veröffentlichte Anfang 2003 das "Zauberbaumflüstern auf Formentera" und sogar eine eigene Website wurde ins Leben gerufen. Jetzt ist La Riada zerstört.

Ich muss zugeben: Ein paar Jahre verbrachte ich schon die Urlaube auf Formentera, meinte die ganze kleine Insel zu kennen, hab sie erwandert und mit dem Rad erfahren. Ich hatte meine Lieblingsstelle gefunden, das Cap de Barbaría, wo ich stundenlang am Rand der Steilküste sitzen konnte, fernab jeglicher Zivilisation, allein mit Seemöwen und Eidechsen.

Nie war ich an der Nordspitze, jenem langen Schlauch felsigen Landes, dem Trucador. Bis zum letzten Restaurant, Victor’s, weiter kam ich nie. Mal war es zu heiß, mal zu kalt, zu windig, zu spät. Mal hatte sich das Meer gleich hinter dem nächsten Hügel einen Weg gebahnt und den Trucador vom Rest der Insel abgetrennt. Mit Fotoausrüstung die Furt zu durchqueren, das Wasser bis zur Brust reichend, war mir doch zu riskant.

Hans-Lothar Klatt.
Dann hatte die Natur eingegriffen, feiner Sand hatte den Durchbruch geschlossen, und ich machte mich auf, zu sehen, was diese Terra incognita ganz im Norden von Formentera zu bieten hatte. Eigentlich nicht viel. Links und rechts das Meer, dazwischen felsiges Gestein, hin und wieder eine kleine Sandbucht, in der Ferne die Insel Espalmador, Echsen, Seevögel, aber nur wenige Menschen, die sich hierher verirrt hatten. Eine Menge Müll lag am Ufer, merkwürdig aufgeschichtete Steinhaufen verzierten die Gegend. In der Ferne erkannte ich ein größeres Bauwerk. Je näher ich kam, desto besser konnte ich erkennen: hier hatte jemand mit Steinen, Treibholz, Netzen, Tampen und anderem Strandgut fleißig gebaut. Und nicht nur fleißig, sondern auch gekonnt. Witzig der steinerne Stier und das Gerippe am Rand des Bauwerks. Jeder hat ein anderes Kunstverständnis, mich faszinierte es, für mich war das Kunst. Gern hätte ich mich auch im Inneren des Baues umgeschaut, aber dort war ein Mann damit beschäftigt, Gesteinsbrocken auf ihre Tauglichkeit für weitere Bautätigkeiten zu untersuchen. Voll konzentriert, in sich gekehrt, nicht aufschauend, wollte ich ihn nicht stören. Ich hielt ihn für einen typischen Formentera-Freak, so eine Art Späthippie. Am Eingang entdeckte ich seinen Opferstock, einen ausgehöhlten, mit Wasser gefüllten Stein, in dem schon ein Geldstück lag. „Soll der Mann sich heute Abend mal ein schönes San Miguel leisten“, dachte ich und warf auch ein paar Peseten hinein.

Johannes F. Schultz
(Foto: Andreas Pohlmann).
Stunden später, bei Freunden, taucht der Mann auf. „Darf ich vorstellen, das ist Johannes. Der baut seit Jahren auf dem Trucador La Riada, die Steinstadt.“ „Kenn ich, sowohl La Riada als auch dich, Johannes – seit heute“, antwortete ich. „Hab sogar was in deinen Opferstock geworfen.“ „Ach du warst das“, schmunzelte er.

Inzwischen weiß ich, dass der Mann sich auch ohne meine Spende ein Bier hätte leisten können, mitnichten ein verkrachter Späthippie ist. Doch blieb er lange Zeit der Johannes oder J.S. (fragt man auf Formentera nach Beruf und Herkunft?), erst durch Heidis Besprechung seines Buches „Das Zauberbaumflüstern auf Formentera“ hier bei fonda.de kam ich seinem „Geheimnis“ auf die Spur.

Kam bei der Überfahrt La Riada in Sicht, hatte ich das Gefühl, nach Hause zu kommen. Bei jedem Besuch Formenteras ging ich hinaus zu La Riada; entdeckte Neues, denn alles verändert sich; ich konnte dort stundenlang meinen Gedanken freien Lauf lassen oder einfach nur die fantastische Aussicht genießen. Mittlerweile bin ich Experte für die große Göttin Astarte geworden, meine sogar zu wissen, wieso gerade dort auf dem Trucador ein Bauwerk ihr zu Ehren errichtet werden musste (nachzulesen bei www.lariada.de unter Legenden).

La Riada, zerstört (Foto: G. Grönke).
Ich war zornig über die Zerstörung La Riadas im Frühjahr 2003. Doch Johannes baute wieder auf. Und jetzt bin ich zornig und wütend über die Dummheit und Arroganz einiger Leute, die La Riada mit stinknormalem Strandmüll verwechselt haben; die ein Kunstwerk dem Erdboden gleichgemacht haben. Das Bauwerk La Riada mag zerstört sein, doch der Mythos von La Riada lässt sich nicht zerstören.

Mit Johannes hatte ich verabredet, im Oktober auf dem Trucador mit Hilfe einer Flasche Magno über den Trümmern von La Riada zu weinen. Daraus wird wohl nichts, denn ich bin mir sicher, dass wir auf die neue La Riada anstoßen werden. Denn alles ist fließend, alles verändert sich, auch La Riada. Ein Umbruch, etwas Neues muss her.

  • Forumsbeitrag vom zerstörten La Riada

  • Guido Grönkes Riada-Seite mit vielen Fotos

  • "La Riada" - stille Begegnung mit J.S. von Heidi Kueck

  • Website La Riada

    Riada-Fotos:
    Heidi Kueck und Guido Grönke

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