Login   Hilfe
 
 

Viel Natur, viel Penunze und das Ende einer Legende

von Uwe (23.09.2004)


Seite 1





Vorneweg eines: Die Zeiten, als der September auf Formentera den Beginn der Nachsaison darstellte, sind lange vorbei. Dies sollte man sich vor Augen halten, wenn man zu dieser Zeit seinen Urlaub auf der Insel verbringen möchte. Man kann nicht alles haben: traumhafte Wassertemperaturen plus verlässlich schönes Wetter und wenig Touristen geht nicht. Der September ist für mich ein Kompromiss-Monat, hart an der Schmerzgrenze, es war aber okay. Von Freunden erfuhr ich, dass es Ende August noch sehr voll war, danach lichtete sich die Insel von Woche zu Woche.

Italiener verdrängen Deutsche vom 3. Rang

Apropos voll: Der Diario de Ibiza veröffentlichte auf seinen Deutschen Seiten vom 16. September die Zahl der ankommenden Flugpassagiere auf den beiden Pityuseninseln (Ibiza und Formentera) im Juli 2004, und danach hat Italien die Deutschen vom dritten Rang verdrängt. Vorn sind weiter die Briten (die müssen ausnahmslos auf Ibiza sein, ich hab auf Formentera noch nie einen gesehen) vor den Spaniern, dann kommen die Italiener vor den Deutschen. Im Vergleich zum Vorjahreszeitraum kamen im Juli 2004 ganze 11,8% weniger Deutsche an, dafür 24,5% mehr Italiener. Holländer kamen im Vergleich zum Vorjahr 28,1% weniger auf die beiden Pityusen, dafür wesentlich mehr Schweizer (+24,6%), Dänen (+110%), Österreicher (+10,7%) und Spanier (+25,6%).

Die Preisspirale ist überdreht

Pulpo-Tapa zu 9 €.
Von verschiedenen Leuten habe ich diesmal gehört, dass die Preisspirale auf Formentera überdreht ist. Jan aus Utrecht, stiller Leser des Forums und Teilnehmer an zwei fonda.de-Treffen, mit dem ich mich diesmal auf der Fonda-Mauer unterhalten habe, glaubt dennoch, dass das Ende der Fahnenstange noch nicht erreicht ist. Mir persönlich erging es heuer zum ersten Mal so, dass ich wirklich obacht geben musste bei zahlreichen Restaurantpreisen, mir einige Male sogar kräftig verarscht vorgekommen bin.

Beispiele:

  • Ein Pulposalat (Tapa bei Marcelos Sushibar in San Francisco, gleich nach dem Kirchplatz), sehr lecker zwar, aber 9 € waren dann doch reichlich gesalzen.

  • Oder die 4,30 € für etwa zehn in Öl eingelegte Sardinen in der Fonda Platé.

  • Oder 15 € pro Nase für ein Couscous im Sa Garrafa. Ebenfalls sehr fein (zubereitet von Eric, dem Musiker/Koch/Multitalent), aber 30 € für zwei Portionen waren schlichtweg unverschämt. Da verlebt man einen tollen Abend unter lauter Spaniern ("Formentera Guitars"-Ekki mit seiner Band war der einzige Deutsche außer uns) und wird am Ende unsanft in die raue Wirklichkeit geholt. That's business.

  • Ulli sprach von 3,50 € für ein kleines San Miguel im Big Sur, auch das ist einfach zu viel.

  • Im Replay-Outlet kurz nach Es Caló scheinen sie langsam durchzudrehen. Nicht nur, dass es keine wirklichen Angebote mehr gibt (die Jeans für 185 €), nun werden auch noch diejenigen vertrieben, die vom Baden noch Sand an den Füßen haben: Anprobe verboten. Weg und nie mehr gesehen!


  • Wohltuend dagegen die Preise in der Fonda Pepe (für rund 10 € kann man dort essen und ein Glas Bier trinken, das Glas Hierbas gibt's für 1,80 €) und auch bei Pascual (12,50 € pro Nase für eine sehr leckere, üppige Meeresfrüchte-Paella sind absolut in Ordnung). Gefrühstückt wurde nach einigen preislichen Hämmern meistens daheim, die 14 Tage waren auch so teuer genug. Jaaaaa, ich weiß, warum sollte es auf Formentera günstiger sein als daheim. Verlangt ja keiner, aber wenn's dann auf der Insel gleich erheblich teurer ist als daheim, dann hört der Spaß auf, stimmen die Relationen nicht mehr und die Touri-Verarsche setzt ein.

    Unter 50 € ist kaum eine Unterkunft zu bekommen

    Gut und günstig: die Fonda Pepe.
    Und wenn ich so die Preise für Unterkünfte zu hören bekomme, die viele zahlen, wird mir ganz anders. Knapp 50 € pro Tag sind im September das untere Limit, nach oben sind kaum Grenzen gesetzt. Formentera ist richtig teuer geworden. Ein Beispiel, um die Relationen aufzuzeigen: Meine Eltern haben für zwei Wochen in der Dominikanischen Republik tutto completti (Flug und all inclusive) weniger bezahlt als ich, der ich einen günstigen Air Berlin-Flug und eine relativ günstige Unterkunft auf Formentera hatte. Warum beispielsweise scharenweise deutsche Urlauber abwinken, ist klar. Und doch muss man auch die andere Seite der Medaille sehen. Noch einmal zitiere ich den Diario: Während die Wohnpreise auf den Pityusen in den vergangenen fünf Jahren um 92% gestiegen sind (ein absoluter Hammer, wie ich finde), erhöhten sich die Gehälter lediglich um 18,2%. Bei uns sind's nicht die Wohnräume, bei uns ist's die allgemeine Situation auf dem Arbeitsmarkt. Fahren wir bald alle mit dem Auto an den Plattensee...?

    Die bekanntesten Hostals in San Fernando strichen im September 2004 übrigens 52 (Nur-Übernachtung im DZ im Pitiüses) bzw. 46 € (Nur-Übernachtung im DZ in der Fonda, das Einzelzimmer gab's inkl. Frühstück für 23 € und ohne Frühstück für 40 € - kein Witz, sondern im Forum von Tina und Stefanie berichtet) pro Nacht ein.

  • Markus im Forum zu den Gehältern auf der Insel:
    Zu den Saison-Gehältern: Angenommener Monats-Netto-Verdienst: Gastronomie: 1.200 €, 7-Tage-Woche, 6 Monate lang, "Wintergeld": 350 €/Monat. Davon muss dann alles bezahlt werden, auch die hohen Mieten. Als "normaler" Angestellter etwas zu kaufen, ist bei diesem Verdienst unmöglich.


  • Unvorstellbar bleibt für mich ein Aufenthalt zur Hauptsaison. Im August war wohl wirklich keiner der rund 8.000 Roller mehr zu haben, im Juli kostete der 50er, für den ich bei Agustin im September 14 € pro Tag bezahlt habe, stolze 27 € (sic!). Oder die Geschichte mit dem Modeladen in Pujols, der zu nächtlicher Stunde schließen wollte, woraufhin ein Italiener (es war wirklich einer) mit einigen sehr großen Euro-Scheinen wedelte, er möchte noch ein wenig einkaufen. Der Laden öffnete erneut seine Türen.

    Wo ich gerade bei den attraktiven Landsleuten aus Italien bin: Ein Resident erzählte mir, dass die Fonda-Mauer im August ziemlich leer war. Grund: Seitdem es in San Fernando die Fußgängerzone in der Calle Mayor gibt und man folglich nicht mehr mit seinem fahrbaren Untersatz direkt vor die Fonda fahren kann, haben viele die Lust aufs Mauersitzen verloren und suchen sich eine andere Location. Daumen hoch für die neue Fußgängerzone in San Fernando also!

    Millionarios willkommen, Fußvolk verpisst euch!

    Schöne Anlage, falsche Insel. (Foto: Ulli Muhl)
    Das neue Minihotel "Cap de Barbaria", rund zwei Kilometer vor dem Leuchtturm am Cap rechter Hand angesiedelt, schlägt dem Fass den Boden aus. Bittschön, wer's gerne stilvoll hat, soll 350 € pro Nacht berappen (Frühstück inklusive), ich für meinen Teil und für meine Inselansprüche find's reichlich pervers. Dafür ist man in dieser zugegeben wunderschönen, abgelegenen Pension mit lediglich sechs Häuschen für jeweils zwei Personen (pro Unterkunft gibt's eine Hängematte und ein Mountainbike gratis) unter sich und von der Außenwelt hermetisch abgeschirmt, Kinder sind, das erinnerte mich an das Pike's auf Ibiza, ebenso unerwünscht wie Haustiere. Man spricht von "Agrotourismus", na sauber, wenn das die Zukunft ist. Ich wurde von zwei Damen mit sanfter Gewalt sowohl vom Fotografieren abgehalten als auch des Feldes verwiesen. Schade drum. Einziger Vorteil: Die Autogrammjäger wissen in Zukunft, wo sie den Promis auflaufern können...

    Kompromisse

    Sundown auf der Mola-Hochebene.
    Das ist nicht "mein Formentera", aber ich habe auch kein Anrecht darauf. Wenn ich die Insel so haben möchte, wie ich sie schätze, darf ich nicht vor Ende September anreisen, und wenn dies aus diversen Gründen nicht machbar ist, habe ich die Insel eben so zu nehmen, wie sie sich im September darstellt. Es war - natürlich - auch bei weitem nicht so schlimm, wie es sich jetzt vielleicht anhört. Das Wasser hatte traumhafte 26 bis 28 Grad (Jan erzählte mir einmal sogar von 30 Grad am Illetes-Strand), und wer sich auf der Insel ein wenig auskennt, findet wohl zu jeder Zeit einigermaßen ruhige Plätze zum Relaxen, zum Runterkommen. Das Wetter war nicht ganz so schön wie sonst, Sonnenauf- und -untergänge bei klarem Wetter gab's in den 14 Tagen nur zwei oder drei, und auch der Himmel war nicht ganz so farbenfroh wie sonst. Dafür waren die Temperaturen bei leicht bewölktem Himmel erträglich, ja angenehm, und vor allem auf der Mola-Hochebene trocken und von nicht so hoher Luftfeuchtigkeit wie unten.

    Nach einigen Tagen, Tagen der Aklimatisierung, besinnt man sich dann aber doch auf das Wesentliche, auf die Insel, und die hat von ihrer herben Schönheit keinen Deut eingebüßt. Zumal ich mich nach zwölf, dreizehn Aufenthalten auf der Insel (ich weiß es nicht mehr genau) gar nicht mehr als Urlauber im herkömmlichen Sinne verstehe. Abgeholt zu werden von einem Freund (Ulli - danke für alles!), den man dann auch noch zwei Wochen als unmittelbaren Nachbarn haben darf, Wiedersehen mit Menschen, auf die man sich freut bzw. auch die Vorfreude auf neue Bekanntschaften, durch die Hilfe Einheimischer neue schöne Ecken der Insel entdecken zu dürfen, ein kühles Bier beim Besuch eines Residenten in dessen Finca, ein grandioses Paar-Gänge-Menü bei "Babcam"-Barbara (wow, danke nochmal!), das alles hat mit dem Aufenthalt anderer Touristen nicht mehr viel gemein, und das ist es ja auch, was Formentera letztendlich für mich ausmacht: heimkommen, Vertrautes und Vertraute wieder sehen.



    weiterblättern >>

     
     

      zurück   zum Seitenanfang   Seite ausdrucken   Seite empfehlen