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Vorneweg eines: Die Zeiten, als der September auf Formentera den Beginn der Nachsaison darstellte, sind lange vorbei. Dies sollte man sich vor Augen halten, wenn man zu dieser Zeit seinen Urlaub auf der Insel verbringen möchte. Man kann nicht alles haben: traumhafte Wassertemperaturen plus verlässlich schönes Wetter und wenig Touristen geht nicht. Der September ist für mich ein Kompromiss-Monat, hart an der Schmerzgrenze, es war aber okay. Von Freunden erfuhr ich, dass es Ende August noch sehr voll war, danach lichtete sich die Insel von Woche zu Woche. Italiener verdrängen Deutsche vom 3. Rang Apropos voll: Der Diario de Ibiza veröffentlichte auf seinen Deutschen Seiten vom 16. September die Zahl der ankommenden Flugpassagiere auf den beiden Pityuseninseln (Ibiza und Formentera) im Juli 2004, und danach hat Italien die Deutschen vom dritten Rang verdrängt. Vorn sind weiter die Briten (die müssen ausnahmslos auf Ibiza sein, ich hab auf Formentera noch nie einen gesehen) vor den Spaniern, dann kommen die Italiener vor den Deutschen. Im Vergleich zum Vorjahreszeitraum kamen im Juli 2004 ganze 11,8% weniger Deutsche an, dafür 24,5% mehr Italiener. Holländer kamen im Vergleich zum Vorjahr 28,1% weniger auf die beiden Pityusen, dafür wesentlich mehr Schweizer (+24,6%), Dänen (+110%), Österreicher (+10,7%) und Spanier (+25,6%). Die Preisspirale ist überdreht
Beispiele: Wohltuend dagegen die Preise in der Fonda Pepe (für rund 10 € kann man dort essen und ein Glas Bier trinken, das Glas Hierbas gibt's für 1,80 €) und auch bei Pascual (12,50 € pro Nase für eine sehr leckere, üppige Meeresfrüchte-Paella sind absolut in Ordnung). Gefrühstückt wurde nach einigen preislichen Hämmern meistens daheim, die 14 Tage waren auch so teuer genug. Jaaaaa, ich weiß, warum sollte es auf Formentera günstiger sein als daheim. Verlangt ja keiner, aber wenn's dann auf der Insel gleich erheblich teurer ist als daheim, dann hört der Spaß auf, stimmen die Relationen nicht mehr und die Touri-Verarsche setzt ein. Unter 50 € ist kaum eine Unterkunft zu bekommen
Die bekanntesten Hostals in San Fernando strichen im September 2004 übrigens 52 (Nur-Übernachtung im DZ im Pitiüses) bzw. 46 € (Nur-Übernachtung im DZ in der Fonda, das Einzelzimmer gab's inkl. Frühstück für 23 € und ohne Frühstück für 40 € - kein Witz, sondern im Forum von Tina und Stefanie berichtet) pro Nacht ein. Zu den Saison-Gehältern: Angenommener Monats-Netto-Verdienst: Gastronomie: 1.200 €, 7-Tage-Woche, 6 Monate lang, "Wintergeld": 350 €/Monat. Davon muss dann alles bezahlt werden, auch die hohen Mieten. Als "normaler" Angestellter etwas zu kaufen, ist bei diesem Verdienst unmöglich. Unvorstellbar bleibt für mich ein Aufenthalt zur Hauptsaison. Im August war wohl wirklich keiner der rund 8.000 Roller mehr zu haben, im Juli kostete der 50er, für den ich bei Agustin im September 14 € pro Tag bezahlt habe, stolze 27 € (sic!). Oder die Geschichte mit dem Modeladen in Pujols, der zu nächtlicher Stunde schließen wollte, woraufhin ein Italiener (es war wirklich einer) mit einigen sehr großen Euro-Scheinen wedelte, er möchte noch ein wenig einkaufen. Der Laden öffnete erneut seine Türen. Wo ich gerade bei den attraktiven Landsleuten aus Italien bin: Ein Resident erzählte mir, dass die Fonda-Mauer im August ziemlich leer war. Grund: Seitdem es in San Fernando die Fußgängerzone in der Calle Mayor gibt und man folglich nicht mehr mit seinem fahrbaren Untersatz direkt vor die Fonda fahren kann, haben viele die Lust aufs Mauersitzen verloren und suchen sich eine andere Location. Daumen hoch für die neue Fußgängerzone in San Fernando also! Millionarios willkommen, Fußvolk verpisst euch!
Kompromisse
Nach einigen Tagen, Tagen der Aklimatisierung, besinnt man sich dann aber doch auf das Wesentliche, auf die Insel, und die hat von ihrer herben Schönheit keinen Deut eingebüßt. Zumal ich mich nach zwölf, dreizehn Aufenthalten auf der Insel (ich weiß es nicht mehr genau) gar nicht mehr als Urlauber im herkömmlichen Sinne verstehe. Abgeholt zu werden von einem Freund (Ulli - danke für alles!), den man dann auch noch zwei Wochen als unmittelbaren Nachbarn haben darf, Wiedersehen mit Menschen, auf die man sich freut bzw. auch die Vorfreude auf neue Bekanntschaften, durch die Hilfe Einheimischer neue schöne Ecken der Insel entdecken zu dürfen, ein kühles Bier beim Besuch eines Residenten in dessen Finca, ein grandioses Paar-Gänge-Menü bei "Babcam"-Barbara (wow, danke nochmal!), das alles hat mit dem Aufenthalt anderer Touristen nicht mehr viel gemein, und das ist es ja auch, was Formentera letztendlich für mich ausmacht: heimkommen, Vertrautes und Vertraute wieder sehen.
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