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Formentera als Taucherlebnis

von Rene (19.03.2004)


Seite 3







Sa Cala
Zum Schwärmen schön.
Dieser Tauchspot ist an der Steilküste gelegen. Man fährt mit dem Boot aus Es Caló hinaus, rechts parallel zur Steilküste entlang. Zwischen Punta de Sa Salmera und Cova d’Es Fum befindet sich dann der Tauchspot (und der Küstenabschnitt) Sa Cala. Es geht dort rund 21 Meter in die Tiefe. Das Interessante an diesem Spot ist, dass man an einer Stelle in die Steilwand hineintauchen kann. Dort befindet sich eine Art Höhle in der Wand, die recht weit in den Fels hineingeht. Das Schönste dabei ist, dass man sich beim Heraustauchen am Rand dieser Höhle niederlassen und einfach die Szenerie mit Blick in das Meer genießen kann. Man fühlt sich sprichwörtlich wie auf einer Empore oder wie im Kino. Was fehlt, ist einzig das Popcorn.

Direkt nach dem Abtauchen vom Boot entlang der Ankerleine sahen wir eine große Nacktschnecke am Grund im Felsen. Im Licht der Scheinwerfer erstrahlte sie in ihren Farben. Dazu sei angemerkt, dass das Sonnenlicht im kompletten Farbspektrum nicht bis in diese Wassertiefe hineindringen kann, d.h. der Rotanteil des Lichtes wird durch das Wasser herausgefiltert und somit sind die Farben nicht mehr zu erkennen. Alles erscheint dann in Blautönen.

Oktopus mit Publikum.
Aber um dem entgegenzuwirken, hatten wir ja unsere Lampen. In der Höhle erwarteten uns schon kleine Meerbarbenkönige, die sich in dem schummrigen Licht besonders wohl fühlen. In der Regel findet man sie grundsätzlich unter Felsvorsprüngen. Gerade so, als würden sie sich vor dem Sonnenlicht verstecken. Allgegenwärtig sind die Goldstriemen, die meist in Schwärmen anzutreffen sind und über die Seegraswiesen streifen, auf der Suche nach dem einen oder anderen Appetithäppchen. Zackenbarsche sahen wir, einen Conger und natürlich die unvermeidlichen Oktopusse, die sich nahezu unsichtbar (jedenfalls meinen sie, unsichtbar zu sein...) in Felsspalten niederlassen und auf den Einbruch der Dunkelheit warten. So langsam verging die Zeit und es war wieder daran, aufzutauchen. Auf fünf Metern Tiefe machten wir brav unseren Sicherheitsstopp und dann gings wieder zurück in die Welt über Wasser, wo auch schon der übliche Schluck Deko-Sangria auf uns wartete. An diesem Nachmittag war wieder Familie angesagt, so dass ich die Gruppe für diesen Tag verließ.

Schließlich handelte es sich auch um einen Familienurlaub, auf den wir uns alle drei schon gefreut hatten. Was mich aber nicht davon abhielt, mich für den nächsten Tag wieder in die Teilnehmerliste einzutragen. Nachmittags sind wir hoch zu La Mola gefahren und hatten uns ein schönes Plätzchen am Leuchtturm ausgesucht. Nach einiger Zeit meinte Tina: „Ich fass es nicht!“ Schuldbewusst, obwohl ich kein schlechtes Gewissen haben musste, schaute ich an mir und Marvin herab, ob wir uns mit irgendetwas bekleckert hatten. Zufrieden damit, dass das nicht der Fall war, schaute ich sie an und fragte in ihr zweifelndes Gesicht: „Was ist denn?“ Die Antwort kam stammelnd und wie vom Wahnsinn getrieben: „Da-da-da-da! Da sind Delphine!!!“ Sie zeigte mir ihrem Finger hinunter auf das Meer und tatsächlich waren da in etwa 150 Metern Entfernung zur Küste rund 30 Tiere zu sehen. Es schien so, als ob sie sich in der Sonne aufwärmen wollten, denn die Tümmler blieben die ganze Zeit an der Oberfläche. Das war das erste Mal, das wir Tümmler in dieser Anzahl bei Formentera gesehen hatten und somit bewahrheitete es sich einmal mehr, dass diese Insel wesentlich mehr zu bieten hat, als man sich vorstellen kann.

Danach sind wir dann runter nach Savina an den Hafen, Schiffchen gucken. Marvin hatte sich schon bei der Ankuft „sein“ Schiffchen ausgesucht und ich muss sagen, dass er da wohl ganz nach dem Papa kommt, denn es handelte sich um ein recht fulminantes Teil. Wir setzten uns ein wenig in den Schatten des "Gecko's" und tranken ausnahmsweise mal kein San Miguel, sondern Wasser. Es war einfach zu heiß an diesem Tag und dabei war doch erst Mai! Wie mochte dieser Sommer wohl werden... Wie heiß er dann wurde, weiß hier auf der fonda.de wohl jeder. Das war mit Abstand einer der heißesten Sommer, die die Insel über sich ergehen lassen musste. Als wir also bei unserer Erfrischung saßen, beratschlagten Tina und ich, ob wir uns wieder in das Getümmel des Maryland zum Essen stürzen oder ob wir nicht doch lieber ins La Fragata gehen sollten. „Das wäre ja nicht dumm, denn da ist es dann nur noch einmal Umfallen und dann sind wir schon am Pirata Bus“, meinte Tina.

Chillen am Pirata-Bus.
Gesagt getan. Wir also mit unserem Klapper-Suzuki zum La Fragata, einen netten Tisch ausgesucht – zum Glück kamen wir früh genug, denn dort ist es ja meist sehr voll, was auch der guten Küche zuzurechnen ist. Erst mal einen Vino geordert (kann es sein, dass hier der Eindruck entsteht, wir hätten nur getrunken und gegessen...?!) und den unvermeidlichen Blick in die Fischtheke geworfen. Da lag er! Ein Drachenkopf!Oft schon hatte ich diese Fische beim Tauchen zu sehen beommen. Ein kleiner Exkurs: Sie gehören zur Gruppe der Scorpionsfische, wie auch der Rotfeuerfisch, und besitzen an der Rückenflosse einige Strahlen, die Gift führen. Zwar nicht unheimlich gefährlich, aber unheimlich schmerzhaft und es muss sofort ärztlich behandelt werden. „Du wirst deiner letzten Bestimmung zugeführt, ab in die Pfanne!“, flüstere ich ihm zu. Und er war ein Traum. Da kommt selbst die genialste Dorade nicht mit. Tina bestellte ebendiese und Marvin bekam seine Tintenfischringe. Alles in allem ein wunderbarer Start für den Abend, der natürlich am Pirata Bus endete.

Andy und Olaf, die beiden Assis der Basis, waren auch dort, wir ratschten, machten Blödsinn und Tina bekam immer mehr Interesse an einem Schnuppertauchgang, den sie dann auch ein paar Tage später zusammen mit Olaf machen sollte.

Stephan van Treek von der Tauchbasis.
Wenn nun das Interesse beim einen oder anderen an der Taucherei geweckt sein sollte oder jemand grundsätzliche Fragen zum Tauchen oder zur Basis La Mola haben sollte: Stephan van Treek (Mail an info@tauchen-lamola.de) von der Basis steht euch gerne zur Verfügung. Er betreibt die Basis seit vielen Jahren, kennt die Verhältnisse um Formentera wie seine Westentasche. Hinzu kommt, dass ich ihn persönlich als einen der Wenigen kennen gelernt habe, die das Thema Sicherheit so intensiv leben wie es eigentlich auf jeder Basis zu wünschen wäre. Leider ist dies nicht die Regel. Tauchinteressierte können sich natürlich auch an mich wenden (eigene Website unter www.tauchen-in-europa.de).

In diesem Sinne
Rene

Als Anhang noch ein Auszug aus meinem Logbuch, der die im Mai 2003 absolvierten Tauchgänge dokumentiert:

19.05.2003
Dive-Spot: Sa Pedrera (Landtauchgang)
Max. Tiefe: 10,6 m
Dauer: 58 Minuten
Start: 10.52 Uhr
Besonderheiten: Violette Fadenschnecke, gelber Spitzkopfschleimfisch, großer Oktopus.

21.05.2003 (TG 1)
Dive-Spot: Pescador I
(Bootstauchgang)
max. Tiefe: 23,80 m
Dauer: 35 Minuten
Start: 10.48 Uhr
Besonderheiten: Zackenbarsch, Muräne, Scorpionsfisch (großer roter Drachenkopf).

21.05.2003 (TG 2)
Dive-Spot: Punta Prima
(Bootstauchgang)
max. Tiefe: 11,8 m
Dauer: 62 Minuten
Start: 15.03 Uhr
Besonderheiten: Oktopus, Zackenbarsch, Schraubensabelle (Kalkröhrenwurm), Leopardschnecke.

23.05.2003 (TG 1)
Dive-Spot: Sa Cala I
(Bootstauchgang)
max. Tiefe: 16,0 m
Dauer: 49 Minuten
Start: 11.09 Uhr
Besonderheiten: Großer einzelner Barracuda, der bis auf fünf Meter an uns herankam (konnte auf Abstand gehalten werden), mehrere Muränen, Conger, großer Zackenbarsch, Meerpfauen, Meerjunker.

23.05.2003 (TG 2)
Dive-Spot: Tramuntana
(Bootstauchgang)
max. Tiefe: 12,7 m
Dauer: 57 Minuten
Start: 15.36 Uhr
Besonderheiten: Traumhafter Spot. Tauchen durch Felsbrücken. Mehrere Scorpionsfische (Großer roter Drachenkopf), unzählige Meerpfauen, Zackenbarsche (Appetit bekommen). Auf dem Rückweg Sichtung von drei sehr großen Tieren vom Boot aus. Vermutung: Entweder Grindwale oder große Thunfische. Tümmler schieden aus, da Verhalten untypisch. Während der Fahrt bei ca. 20 Kn absetzen von drei Tauchern (Andy, Beate und ich) in Marines-Manier (wollte ich immer schon mal), jedoch konnten die Tiere nicht mehr ausgemacht werden. Schade, damit hätte der Tauchgang eine Krönung sondersgleichen erhalten.

26.05.2003 (TG 1)
Dive-Spot: Sa Pedrera
(Landtauchgang)
max. Tiefe: 18,4 m
Dauer: 47 Minuten
Start: 11.16 Uhr
Besonderheiten: Betauchen der Felswände und Überhänge. Lampe hat sehr geholfen, da Farben sehr intensiv waren (Dank an Michi und Heiko aus Hannover). In den Überhängen unzählige Meerbarbenkönige. Scorpionsfische (Kleiner roter Drachenkopf).

26.05.2003 (TG 2)
Dive-Spot: Stadion
(Bootstauchgang)
Max. Tiefe: 12,8 m
Dauer: 48 Minuten
Start: 15.04 Uhr
Besonderheiten: Stadion, schön wie immer. Während des TG wurde OF-Strömung immer stärker. Sicherheitsstop in 100 % horizontaler Lage in der Strömung auf 7 m verbracht (lange Arme bekommen). Ausstieg erstmals vor Formentera unter Zuhilfenahme von Strömungsleine. Gedanke an Badeopfer (siehe Blausand). Das wünsch ich keinem, bei der Strömung frei im Wasser zu sein!

28.05.2003 (TG 1)
Punta Prima
(Bootstauchgang)
Max. Tiefe: 24,2 m
Dauer: 40 Min.
Start: 11.12 Uhr
Besonderheiten: Sehr schöne glatte Steilwand von OF bis Grund. Meerraben, Meeräschen, Meerjunker Goldstriemen, Meerpfauen, Flundern am Grund (wo sonst...), Zackenbarsche.

28.05.2003 (TG 2)
Dive-Spot: Stadion
(Bootstauchgang)
Max. Tiefe: 12,8 m
Dauer: 47 Minuten
Start: 15.06 Uhr
Besonderheiten: Stadion, was sonst. Leider immer noch keine Barracuda-Schwärme. Scheinbar zu früh im Jahr. Schade, denn im September werd ich leider nicht kommen können. Trotzdem sehr schöner entspannter TG.


29.05.2003
Dive-Spot: Sa Cala
(Bootstauchgang)
Max. Tiefe: 14,2 m
Dauer: 57 Min.
Start: 10.45 Uhr
Besonderheiten: 100. Tauchgang!!!
Zum Jubiläum riesigen Scorpionsfisch (großer roter Drachenkopf) gesehen, blauer Putzerfisch, elegante Sternschnecke, Steckmuscheln. Abends Jubiläumsfeier am Pirata mit Olaf, Andy und Stephan verabredet. Schöner kann der letzte Tauchgang im Urlaub nicht sein.

Zur Information: Alle Tauchgänge wurden mit einem Tauchcomputer (Cressi Archimede) dokumentiert. Daher sind Angaben über Dauer, Tiefe und Startzeiten so genau nachvollziehbar. Die Angabe „Max. Tiefe“ bezieht sich auf die maximal erreichte Tiefe während des jeweiligen Tauchgangs, daher können die Tiefenangaben zu gleichen Dive-Spots variieren.

Unterwasseraufnahmen wurden aufgenommen mit SEA & SEA MX 5, 28 mm, auf Kodak Farbwelt 100. Landaufnahmen wurden aufgenommen mit NIKON F90X unter Verwendung von NIKKOR 24 – 120 mm 3,5 – 5,6; 50 mm/1,8; 85 mm/1,8; sowie Voigtländer 18 – 35 mm 3,5 – 5,6 auf FUJI Provia 100F und 400F.

Meinungen im Forum

© by René Thurau für fonda.de.

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