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Formentera als Taucherlebnis

von Rene (19.03.2004)


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Rene auf Tauchgang vor Formentera im Mai 2003.

Für diejenigen von euch, die mit dem Gedanken spielen, bei ihrem nächsten Urlaub mal einen Tauchkurs zu belegen, hat Rene einen schönen Erlebnisbericht von seinem letzten Insel-Trip verfasst. Im Mai 2003 feierte er Jubiläum und ging zum 100. Mal auf Tauchstation.

Mann, was haben wir alle – Tina, mein holdes Weib und Marvin, unser damals noch 6-jähriger Zwerg – auf den Urlaub gewartet. Seit nunmehr fast zehn Jahren sind wir mindestens einmal im Jahr auf der Insel und wir werden es einfach nicht leid. Seit letztem Jahr erkenne ich aber auch andere Qualitäten der Insel: Die Unterwasserwelt rund um die Insel bietet mehr, als man sich vom Strand aus vorstellen kann.

Nun denn, alles lief wie immer. Am Vorabend schnell zum Flughafen, die Koffer und das Tauchgepäck am Counter abgegeben und ratzfatz noch einen Schnellbesuch bei unserem Lieblings-Italiener absolviert, bevor es ins Bett ging und die letzte Nacht in heimischen Gefilden genossen wurde. Am anderen Morgen – in aller Frühe – ab zum Flughafen.


Fotogalerie "Formenteras Unterwasserwelt" von Gerald Tippner aus dem Jahr 2005

Nach dem netten und ruhigen Flug nach Ibiza mit dem ganzen Gerödel zum Hafen, die Tickets für die Überfahrt gezippt und ab auf die Fähre. Einfach irgendwo hingefleezt und dann machte sich endlich die lang erwartete Entspannung breit. Als wir schließlich auf Formentera ankamen, war eigentlich alles so, wie wir es vom letzten Mal kannten. Alles war wie immer, und ich war natürlich besonders gespannt, ob sich die Tauchbasis eventuell verändert haben würde; eigentlich war davon nicht auszugehen. Nachdem wir im Hotel eingecheckt hatten, hab ich die Beiden „mal kurz“ alleine gelassen und bin mit meinem Gerödel rüber zu Stephan , dem Leiter der Basis „La Mola“, um dort nach dem Rechten zu sehen und einzuchecken. Wie sollte es auch anders sein: Stephan saß hinter seiner Theke, Claudia – seine Frau - saß auf der Bank an dem langen Tisch und Olaf und Andy unterhielten die Basisgäste nach bestem Wissen und Gewissen. Es gab ein großes Hallo, denn letztlich konnte ich letztes Jahr leider nur einmal auf die Insel kommen, hatte mich der Job doch zu sehr eingebunden.
Die Tauchbasis "La Mola".
Lange Rede, kurzer Sinn, schnell hatte ich mich in die ausliegende Liste für die Tauchgänge des nächsten Tages eingetragen und meine Sachen verstaut: „Du kennst das ja, nimm dir einfach eine leere Kiste, pack deine Sachen da rein und den Tauchrucksack hängen wir zu den anderen unter die Decke“, meinte Stephan. Ich blickte nach oben und sah dort von der Decke baumelnd einige Tauch-Rücksäcke, die mit Sicherheit schon diverse Basen gesehen hatten und ich freute mich schon darauf, deren Besitzer am nächsten Morgen kennen zu lernen. Nach einem kleinen San Miguel in vertrauter Gesellschaft haute ich ab und kümmerte mich erst mal um meine Beiden, die schon am Pool des Maryland saßen. Der Hunger guckte aus ihnen heraus und so machten wir uns kurzerhand den Strand entlang auf den Weg zum La Fragata.

Formentera, here we are! Nach dem Essen durfte natürlich der obligatorische Besuch am Pirata Bus nicht fehlen. Marvin trollte sich mit den Hunden an den Strand und wir knüpften, wie immer schnell geschehen, erste Kontakte, auch um natürlich herauszubekommen, was die aktuellen Insel-News sind, die es bis kurz vor Abflug nicht ins Forum der fonda.de geschafft hatten. Nach ein zwei Stunden und mehreren San Miguel hauten wir ab und marschierten zurück ins Hotel und bemitleideten die dortigen Gäste. Meistens kamen die über die Grenzen der Anlage nie hinaus und ließen sich von der lärmenden Animation beeindrucken. Wir verschwanden in unser Appartement, genossen ein Glas Wein und lehnten uns in den relativ bequemen Plastikstühlen zurück, schauten aufs Meer und fühlten uns rundherum wohl. Ich persönlich freute mich schon auf die beiden Tauchgänge am nächsten Tag und so hieß es für mich: Zeitig ins Bett und keinen Alkohol mehr!

Beep-beep-beep-beep: 07.30 NACHT ZU ENDE!
Der Blick auf den Wecker bestätigte das: Es war tatsächlich halb acht! Dass hieß für mich: Ab unter die Dusche, runter zu diesem Speisesaal, in dem regelmäßig die Toaststraße von Kids umlagert wird und in der dann die Toasts verbrennen, weil die Kids es einfach klasse finden, die Scheiben mehrfach durch das Gerät laufen zu lassen, weil’s so schön qualmt. Ich also unter die Dusche, zum Speisesaal und mich dem ohrenbetäubenden Geschnatter der Italiener ausgesetzt. Wieso waren die eigentlich schon so zahlreich hier, schoss es mir durch den Kopf, als ich mir am Buffet meine zwei Enseimadas holte, meinen Caffee con Leche fertig machte und mir eine halbwegs ruhige Ecke aussuchte. Nun denn, die beiden Teile schnell reingepfiffen – bessere gibt’s eindeutig in jeder Bäckerei – den Kaffee geschlürft und in Ruhe v o r dem Speisesaal noch eine Tasse getrunken, in netter Kombination mit einer Zigarette – selbstgedreht versteht sich. Und danach ging’s in aller Ruhe rüber zu Stephan. Der war natürlich noch nicht da, dafür pellte Andy sich so langsam aus der Assi-Bude. „Na, wieder der Erste?“, meinte er. „Scheint sich ja nix geändert zu haben seit letztem Jahr!“ „Jau“, sagte ich, nahm mir vor der Basis einen Stuhl, ließ ihn in Ruhe den Sand aus der Basis fegen und genoss die Sonnenstrahlen, die schon mit voller Wucht auf mich herunterbrannten. Als er dann mit seiner Morgentoilette fertig war (Duschen unter freiem Himmel), setzte er sich zu mir und wir erzählten so dies und das und hingen nett ab.

Dann kamen die weiteren Tauchgäste für den Tag: Michi und Heiko aus Hannover, Beate aus Düsseldorf und Jochen aus Mainz. Das war die Besatzung des Tauchbootes für heute Vormittag. So kamen wir denn auch schnell miteinander ins Gespräch und es war schon an diesem Morgen klar, dass sich hier Leute zusammen gefunden hatten, die sich bis aufs i-Tüpfelchen verstanden. Was in der Regel bei Tauchern aber auch nicht unbedingt schwierig ist. Wir nahmen unsere Flaschen in Empfang und erhielten von Stephan ein erstes kurzes Briefing:
Die Sauerstoffflaschen.
„Stadion heißt der Spot, den wir heute Vormittag anlaufen. Ihr könnt da mit einer Tiefe von rund 13 Metern rechnen und lassen uns einfach mal überraschen, was wir zu sehen bekommen. In der Regel finden wir in den Spalten Muränen oder auch Conger. Achtet besonders auf die Sachen im Seegrasfeld. Da gibt’s ab und zu Leopardschnecken zu sehen und natürlich schöne große Seesterne. Und wenn wir Glück haben, sind die Barracudas auch schon da, obwohl das Wasser noch ein wenig kühl ist. Wir machen hier auch kurz die Buddy-Einteilung (Buddies sind die Tauchpartner), damit wir gleich auf dem Boot alle schon richtig sitzen. Bei der kleinen Gruppe fahren wir auch mit dem kleineren Boot raus, das ist lustiger", kicherte er. Ich wusste genau, was er damit meinte, denn als ich im letzten Jahr das erste Mal hierher zum Tauchen kam, waren glücklicherweise immer recht wenige Leute auf der Basis, so dass ich mehrmals in den Genuss des kleinen Bootes kam. Es ist, zugegeben, praktischer mit dem kleinen Boot zu fahren, dafür schaukelt es aber auch ein wenig mehr, wenn die Dünung entsprechend ist. Grüne Gesichter sind da schon mal zu sehen.

Beate wurde mir als Buddy zugewiesen, was mir auch in den Kram passte. Wir hatten so in etwa den selben Ausbildungsstand. Sie war CMAS ** und ich PADI Rescue Diver. Sie wollte Ihren CMAS *** machen und ich meinen PADI Dive Master. Also zwei Taucher, bei denen man davon ausgehen konnte, dass sie auf dem selben Level standen. Was sich auch im Wasser bewahrheitete. Beate und ich machten unser Gerät fertig, d.h. Flaschen am Jacket befestigen, Atemregler an die Flasche schrauben und ein erster kurzer Sicherheits-Check, ob auch alles so funktioniert, wie es sein muss. Alles bestens!
Rauf mit all dem Zeugs auf den Anhänger.
Auch bei Beate, die Leih-Equipment von Stephan hatte, war alles in Ordnung, was aber auch nicht verwundert, denn Stephan achtet peinlichst auf Sicherheit. Die anderen waren dann auch soweit und wir verstauten die Ausrüstungen im VW-Bus und auf dem Anhänger. Wir packten uns mit in den Bus hinein und begannen – wie sollte es auch anders sein - in unseren Neoprenanzügen zu schwitzen. Das verwundert nicht, denn schließlich soll das Zeugs ja warm halten und das tat es dann auch. Stephan fuhr uns runter zum Strand, wo wir das Boot gemeinsam mit dem Trailer ins Wasser schoben. Das Equipment wurde aufs Boot geladen und los konnte es gehen. Am Strand schauten uns ein paar Leute zu und ich meine, neidvolle Blicke gesehen zu haben. „Recht habt ihr“, dachte ich mir. „Versucht es einfach selbst und entschwindet dieser Welt und wenn es nur für eine Stunde ist. Es ist unbeschreiblich, was euch entgeht.“



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