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BOBS FORMENTERA
8.) Die Fonda Pepe

von Bob (07.05.1999)





Die Fahrt mit dem Boot entlang der unwirtlichen kleinen Inseln zwischen den beiden Häfen ließ Schlimmes vermuten. Der Eindruck verstärkte sich durch die Situation am Hafen von Formentera. Eine schmale Mole, angehängt an eine kaum mannshohe Bruchsteinmauer aus gelbem Kalkstein, begrüßte uns. Dahinter drei, vier nicht allzu große Häuser, zwei Taxis älterer Bauart, schwarz-gelb, ein paar Fahrräder. Ich überließ die Initiative meinem neuen, holländischen Bekannten, der sich intensiv bemühte, eine Mitfahrgelegenheit in einem der Taxis für uns zu ergattern. Das Problem war das Gepäck. Schließlich fanden wir, unser Gepäck und zwei weitere Mitreisende Platz in einem der beiden Wagen. Wir fuhren zur Fonda Pepe, soviel hatte ich mitgekriegt. Was das allerdings sein sollte, wusste ich nicht. In San Fernando sollte es sein und ich hoffte, dass dies bei den momentanen Platzverhältnissen nicht allzuweit entfernt sein würde. Aufgrund der geringen Größe, die Formentera laut Mitfahrern auf dem Fährboot haben sollte, konnte es ja nicht allzu lange dauern. Besser als hinzulaufen war es aber allemal. Die Straße, die wir in Richtung Osten fuhren, war relativ schmal, mit einem gelben, staubigen Saum links und rechts, eine Art mehr oder weniger breiter und tiefer Graben, der auf der Rückseite fast über die ganze Strecke von einer knapp ein Meter hohen, gelben Feldsteinmauer begrenzt war. Dann und wann mündete ein, im Farbton dem Saum ähnelnder Feldweg, in die Asphaltstraße, die fast zu schmal schien, um die Eselskarren zu überholen, die neben den Fahrrädern und diversen Kleinlieferwägen den Verkehr darstellten. Windmühlen, weit ausladende Olivenbäume, die Äste vielfach mit Stangen unterstützt, dazwischen Ziegen, die Füße eng mit Stricken gefesselt, waren die ersten Eindrücke. Viel konnte ich, der Enge im Taxi wegen, sowieso nicht sehen.

"Auf der Straße nach San Fernando" lautete damals eine Textzeile des Gassenhauers "Mendocino" von Michael Holm. Ein bißchen größer hätte ich mir die Ortschaft vor diesem Hintergrund schon vorgestellt. Mehr als zehn, zwölf Häuser schien der Flecken nicht zu zählen. Vor einem der größeren Häuser hielt das Taxi. Ob die Straße hier noch asphaltiert war, weiß ich nicht, weiter als bis hinter die Kirche, gleich hinter dem Haus, vor dem wir hielten, ging der Asphalt jedoch keinesfalls. Leider ist mir weder der Wochentag noch das Datum meiner Ankunft auf Formentera in Erinnerung geblieben. Es war wahrscheinlich Anfang September 1969 ["Mendocino" lag in den Jahres-Charts von 1969 auf Rang 10]. Die Bundestagswahl stand bevor. Dieses, zu Hause noch vor wenigen Wochen zentrale Thema, war in den Hintergrund getreten, spielte keine wesentliche Rolle. Nicht für mich, nicht für das bunte Volk, in dessen Bannkreis ich geraten war, und schon gar nicht für die wenigen, zumeist älteren Einheimischen, deren Gesichter wie handgeschnitzt, braun gegerbt von Sonne und Wind, von einem kargeren Leben erzählten, als meines sich momentan darstellte.

Teil 9: Der erste Tag

 
 

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