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BOBS FORMENTERA
7.) Ibiza

von Bob (06.05.1999)





Langsam wurde es hell, Ibiza lag vor uns. Der nächtliche, letzte Blick auf das wunderschöne illuminierte Barcelona mit dem Montjuic über dem Hafen, einer beleuchteten Bahn zum fünhundertnochwas Meter hohen Tibidabo mit farbig beleuchtetem Lunapark und dem schon fast unwirklichen Viertelmond über der Szenerie, was mich angenehm an eine Nacht in Caorle, damit an Venedig und an Maria Silvia Venturini erinnerte, wurde zur Vergangenheit. Da lag sie, die "weiße" Insel, das Hippieparadies, nach Jürgen/Daves Meinung das Größte überhaupt. Hätte ich nur bei seinen Erzählungen besser aufgepasst. Mein Interesse lag bis dahin ja aber bekanntlich eher bei Indien und dem Weg dahin. Warna, Istanbul, der Khyberpass, wer merkt sich da Santa Eulalia, San Antonio oder Ibiza Altstadt. Klar, die Namen waren noch da, aber was, wo und wieso hatte ich mir nicht gemerkt. Über der Stadt, untere Altstadt wie ich später wusste, thronte die Burg mit der Mauer. Nach der Großstadt Barcelona ein eher beschauliches Bild. Die Ciudad Barcelona legte an einer Mole an, wir verließen das Schiff über die Gangway. Tom Hansen, der so schnell wie möglich, warum auch immer, nach Portinatx wollte, hatte sich noch auf dem Schiff verabschiedet und wir tauschten mit dem ernsten Willen, uns zu melden, spätestens, wenn wir wieder zu Hause wären, unsere Adressen aus. Nun, wenigstens seinen Namen habe ich nicht vergessen, gehört habe ich nichts mehr von ihm, ich hoffe es geht ihm gut. Im Telefonbuch von Vancouver gab es mehrere Tom Hansens, um herauszufinden ob einer davon 1969 auf Ibiza gewesen war, reichte 1995 bei einem Aufenthalt in der Stadt leider die Zeit nicht.

Mit meinen Taschen stand ich nun am hinteren Ende der langen und relativ breiten Hafenstraße, genauer gesagt an der betonierten Fläche zwischen Kaimauer und Hafenstraße. Unschlüssig, was ich jetzt tun sollte, betrachtete ich die Läden und Kneipen auf der anderen Straßenseite, die in Anbetracht der frühen Ankunftszeit (es war bestimmt noch vor acht Uhr) natürlich alle geschlossen hatten. Wie spät es genau war, wusste ich nicht, eine Uhr trug ich zu der Zeit nicht, irgendwoher erfuhr man immer, wie spät es gerade war. Wouter aus Amsterdam, ebenfalls mit zwei Taschen kämpfend, gab den Ausschlag dafür, dass das Kapitel Ibiza eines der kürzeren in diesem Teil werden wird, jedenfalls bei der Hinfahrt. "Komm, wir fahren erst mal rüber nach Formentera, das ist eine kleine Insel, ungefähr eine Stunde weg, wenn man das langsame, alte Fährschiff nimmt. Wir nehmen ein kleineres, schnelleres Boot, das schaukelt auch nicht so". Schon war ich überredet. Auf dem "Schnellboot", es ging tatsächlich noch vor der alten Scherbel "Joven Dolores", unterhielten sich Kenner an Bord über die Vor- und Nachteile des kleinen Schiffes und dessen größere Schwester. Joven Dolores. Also der erste Teil des Namens war sicher gelogen, jung war sie bestimmt nicht mehr. Die Schmerzensreiche, was der zweite Teil des Namens bedeutet war wohl angebrachter, vertrauenerweckend sah sie in der Tat nicht aus. Sie ist nicht sicher, hat für ihre Größe nicht genügend Tiefgang, was vor allem bei starkem Seegang nicht bekömmlich sei, so die Kenner. Sehr beschäftigt hat mich dies nicht, ich hatte die Kanalfähre und die Ciudad Barcelona überstanden, was konnte mir noch passieren? Trotzdem froh, das bessere Schiff, und mit Wouter einen Kumpanen, der Deutsch sprach, erwischt zu haben, ließ ich mir am Bug des Bootes die frische Brise um die Nase wehen. Ibiza war auf dem Rückweg sicher auch noch da. Auf nach Formentera.

Teil 8: Die Fonda Pepe

 
 

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