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Jeder, der schon mal auf Formentera war - und erstaunlicherweise auch viele, die noch keinen Fuß auf die Insel gesetzt haben - kennt die Fonda Pepe, jene Legende gewordene Kultkneipe, eines der berühmtesten Lokale in ganz Spanien, und darüber hinaus. Sucht man nach einem Wahrzeichen für Formentera, dann wird die Fonda wohl am häufigsten an erster Stelle genannt, noch vor dem Mola-Leuchtturm und Jules Verne - von Kennern sicherlich.
Es ist sehr spannend, dieser Frage auf den Grund zu gehen: Worin gründet sich die Legende, wo hatten all die sagenumwobenen Stories ihren Ursprung, wie ging es los? Nicht umsonst habe ich meine Homepage ja danach benannt. "Fonda", das ist nicht nur Legende, das ist auch ein Wort, das einen schönen Klang hat. Und merkwürdig: Obwohl der spanische Begriff "fonda" für Pension und Unterkunft steht (im Englischen: "boardinghouse"), bringt ihn so gut wie jeder mit der Fonda schlechthin in Zusammenhang. Das hat sich in den Jahrzehnten so eingeprägt, und das wird auch so bleiben.
Wie schon öfter erwähnt, würde ich mich sehr freuen, wenn Ihr auch ein paar Fonda-Geschichten beisteuern würdet, die so typisch sind. Unten aufgeführt sind jene Stories, die sich mit der Fonda Pepe beschäftigen. Folgender Textauszug stammt aus dem Buch "Richtig reisen", das 1978 im DuMont-Verlag Köln erschienen und lange schon vergriffen ist. Autoren sind Ursula von Kardorff und Helga Sittl. In gut sortierten Antiquariaten kann man das empfehlenswerte Werk noch finden. Die Fonda (S. 170 ff)
Als die Kölner Rundfunksekretärin Helga Pester in einem Taxi mit sieben Leuten auf einer abgelegenen nordindischen Strecke fuhr, kannte sie vier davon aus der Fonda. Die Fonda Pepe ist die Urzelle Formenteras, ihre Ausstrahlung geht weit in die Welt, ihre Adresse ist Geheimtip für Individualisten mit wenig Geld zwischen Kathmandu und Kopenhagen, München und Paris. Erstaunlich ist die Tatsache, daß die Fonda auch im Touristenboom geblieben ist, was sie immer war: Treffpunkt der Nonkonformisten, der Anti-Schickeria. Pepe hat alles mit eigenen Händen gebaut, den Hauptraum mit dem meerblauen Plafond, den braunen Balken, den bis auf halbe Höhe grasgrünen Wänden; mit dem Nebenraum, in dem der Barbier bei offener Tür die Bärte schabt; mit der grünen, oben weißen Säule in der Mitte, die das Schrägdach hält und mit Zetteln beklebt ist: Suche Schreibmaschine zu kaufen - - Wer will ein Flugticket nach Marrakesch - - Habe junge Kätzchen abzugeben. Es gibt das Restaurant und zwei Nebensäle, dazu die Terrasse, die über eine niedrige Steinbrüstung den Blick auf Kakteen, Steine, Scherben, Büchsen, alte Flaschen freigibt. Jemand hat oben das Wort "More" nach dem Film hineingeritzt. Pepe baute später sein Hostal, blitzsauber, von seiner Schwester Rosalia nicht ohne Strenge verwaltet, dazu den Swimming-Pool im Patio und das Haus für die Familie. Gleichgeblieben sind die acht figurenreichen Comic-Bilder von Ging, dem Dänen, die Pepe nach Gings Tod schon für viel Geld hätte verkaufen können, und auch die Eule aus Kaktusgeflecht von Achmed, dem Ägypter über der langen Bartheke. Und da ist auch die Schachtel mit Briefen und Telegrammen, denn die Fonda ist "poste restante" für Adressenlose. Gleichgeblieben sind die Typen, die auf den roten, grünen, gelben Holzstühlen an den blanken Tischen sitzen, die letzten Mohikaner, die sich hier vor Kommerz und Konsum bewahren, Langhaarige und Kahlgeschorene, Afro- und Engelslöckchen, Fischer, Bauern, Künstler, Gastarbeiter, Intellektuelle, Vaganten und Desperados, Mädchen, die wie Lilien auf dem Felde gedeihen, und Studenten, die Hegel lesen oder Groschenromane. Touristen aus den Hotels vom Mitjorn- oder Pujols-Strand betreten die Klause der Käuze fast nie.
Hinter der Theke waltet neben dem Barkeeper auch Pepes Sohn Julian, wenn er nicht gerade als Matrose verkleidet am Hafen Dienst tut. Je später der Abend, desto sicherer erscheint schließlich auch Pepe selbst, eine Zigarette im Mundwinkel. Schweigend sieht, hört und weiß er alles - eine lebende Legende. Eine bunt zusammengewürfelte Gesellschaft sitzt in der Fonda - meist friedlich, nur selten schießen Streitereien wie Stichflammen hoch, um alsbald zu erlöschen. Man spielt Schach, Skat, schwatzt, liest Tief- und Abgründiges, weint, lacht, küßt, besäuft und tröstet sich - und immer ist Musik dabei. Vom Tonband oder auch live, von Gitarristen und Flötisten, die auf der Terrasse sommers mit und auch ohne Mond Poesie verströmen. © beim DuMont-Buchverlag, Köln Gastro-Tipp Fonda Pepe |
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