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Kalle Pauschalskis Inselbrief/02

von Uwe (04.10.2000)





Kalle Pauschalski.


Da springt dat Pferd in den Pirata Bus sein Dach

Na Kumpel? Wie isset zu Hause?

Soll ja am Regen sein inne Heimat. Hömma: nich, datte am Rosten anfängst. Nee, war nur Spaß. Kennz mich ja. Ich denk, ich meld mich mal wieder von Formentera, damitte auch Bescheid weisst, watt hier so alles passiert. Kannze ja dann auch die Nachbarn von erzählen.

Letztens schrieb ich Dich ja von diee Inselkneipe. Datt heiss nicht "von der Pepe", sondern FONDA PEPE! Und et stimmt: der Schuppen is wirklich weltberühmt, dat war sowat wie 'ne Zweigstelle von den richtigen San Francisco in Amerika, als dat ganze Gedöns mitte Blumenkinder inne 60er Jahre modern war.

Hömma: gezz lernze wat: Ich weiß noch - et war ja meine Zeit: Gelsenkirchen 66. Wie ich selbs mitti Blümsken-Schlachhose, lange Haare (ja, gezz musse nich lachen: dat stimmt!) und den Parka mit dat Abrüstungszeichen durche Gegend lief. Hömma, hättze mich ma sehn sollen: keine Ahnung von Vietnam und Hotsche Ming und watta war, aber in jeden Fall: dagegen!! Dann immer dat Lied von "Sään Fräänzissko". Jau! Gezz happich aber hier gelernt, dat die Hippies, für die dat damals mit den Schotter bis nach San Francisco in Amerika nich reichte, sich dann nach diese Insel Formentera auf die Blümskes-Socken machten. Und diese Fonda Pepe mittat Mäuerken: dat war dann damals sozusagen denen ihr Hauptquartier. Kannze so sagen: San Francisco für Arme. Wenn ich dat gezz ma von die richtige Seite betrachte, dann war ich ja auch einen von denen, aber zu Hause und mit Lehrvertrach. Und gezz komm ich dat erste Mal hier nach die ganzen Jahre nach diesen bedeutungsvollen Ort und happ so´n bissken dat Gefühl von einen Spätheimkehrer.

Gezz saß ich neulich spät inne warme Nacht wieder auf diesen Mäuerken, und dat lecker heilige Sankt-Michaels-Bier... als auf einmal ganz hinten einer von die Mauer mit sein Hintern in die Höhe schoss, dann den sein Nachbar, sofort dat Mädchen daneben mit einen Schrei, und dann einen nach den anderen: hoch mitti Fott, dann wieder hingesetzt, hömma: dat sah aus wie La Ola auf Schalke! Wat war los? Dat ganze war ein Spässken, wat sich eine Kakerlake machte, die mit einen Affenzahn von hinten nach vorne in Richtung Straße längs über dat Mäuerken lief. Dat is dann widder Gesprächsstoff in alle Sprachen gewesen.

Überhaupt Sprachen: am ersten Tach sitz ich am Hafen in ein Lokal, dat hieß Gekko, spricht mich bein Reinkommen dat Frollein mit OLLER an! Ich denk: mein lieben Scholli, kennt die mich? Und en bissken mehr Respekt vor meine friedhofsblonde Restfrisur täte die Signorita auch nich schaden! OLLER!!! Aber dann happich gemerkt, dat dat die hiesige Begrüßung is: HOLA soll dat heissen - also eigentlich Hallo, aber falsch rum und ohne dat H. Muss man ersma drauf kommen! Ich wär ja nich drauf reingefallen, wenn ich mich nich mit dat Spanisch-Buch total verkauft hätte! Erst bein Auspacken hier auffe Insel happich den Tittel gelesen: Spanisch in 30 Tagen. Konnt ich gleich inne Tonne kloppen: watt soll ich denn damit? Ich bleib doch bloß 14 Tage!

Approppo Tonne! Weisse noch damals, den Spruch von den Heinz Erhardt: "Lasst uns von Tonne zu Tonne eilen, den Müll eine Abfuhr erteilen"? Jau, Kumpel: und dat passiert hier auf Formentera auch, aber nur nachts! Ich abends mein Zimmer nach Moskitos abgesucht, 2 mit meine Addilette anne Wand verewicht, allet für mückenfrei erklärt, rein in die Furzkapsel und Matratze abhorchen. Irgendwie war ich am Träumen von ein Pferd, dat sprang grad mit dat linke Bein über den Pirata-Bus sein Dach, hattat aber nich geschafft und knallte mit Schmackes voll durch dat Dach: in die ganzen Pullen und gegen den Pasqual seine rote Regestrierkasse, mit ein Geschepper!!! Hömma! Dat war nur ein Traum! Dat Geschepper war echt und kam von draußen, ich mit ein Herzkasper bis an Hals, schweißnass die Augen auf: Krach und gelbet Lichtgeflacker wie inne Disko: Los Mülloleros wünschen gute Nacht ! Da happich mich erstmal mit diesen Hierbas direkt ausse Pulle beruhigen müssen.

Jetzt frachse Dich sicher, wat Pullen und eine Regestrierkasse mit einen Bus zu tun haben. Eigentlich nix. Dat is so: Hier am Strand sollet mal ein alten Bus gegeben haben, der von einen Pasqual zu eine Strandkneipe gemacht wurde, dat hieß dann Pirata Bus. Den Bus gippet nich mehr. Die Bude is gezz aus Holz, und is noch immer DAT Ziel von die wahren Durstigen. Den Pasqual hat immer wat verschmitztet im Blick und seine Erika is eine von Köln wech. Wirsse sofott warm mit. Kumpel, hier würd dich dat gefallen: du sitzt hier vor die Bude auf eine Düne, der Lorenz brennt auf dat Meer, der Himmel blau und tofte Musik. Dann trinkse dich ein von diese Püllekes Michaelsbier, kuckst auf dat glitzernde Wasser, hömma: da ist Schalke nix gegen! Dann trinkse noch ein zweites, und mitti dann beginnende Betriebstemperatur von das Glücklichsein verschwimmt Dich son bissken der Blick: dat Meer und die Frauen um dich sind gezz noch schöner. Dat is echte Leemsfreude. Dat ganze kannze gezz nur noch toppen mitti Bestellung von eine Frikadelle mit grünen Senf (sieht ein bissken nach Vogelkacke aus, schmeckt aber anders). Dat is wahret Glück, Kumpel. Dat kannze auch nicht mit dein Schrebergaaten vergleichen.

Und dat mit den Zoo, also: dat war gar keiner, da happich mich vertan. Weil, anne Hauptstraße steht son Häusken mit bunte Tiere dran. Gezz dacht ich, dat wär irgendwie dat Hauptgebäude von ein kleinen Inselzoo. Is aber nich. Da wohnt ein deutschen zotteligen Künstlertyp, für den se alle Schoppi sagen. Wie der mit Zement-Pampelacke seine Fantasie nachgeht! Hömma, der ist dat auch, der aus Betong Flamencos inne Landschaft gestellt hat, die sehn sowat von echt aus, dat ich mich ersma nach Prüfung von die Windrichtung mit ein Fotoapparat leise angeschlichen happ, um die rosa Flamencos nich aufzuscheuchen, biss ich geschnallt happ, datti aus Betong sind - und noch anne Kette. Watt ne Blamage.

Hömma: ich muß gezz Schluß machen, weil ich will nach den Berberkapp fahren. Wie dat da war, schreib ich Dich dat nächste Mal. So, dann grüß ma schön die Nachbarn und besonders den Karnickelzuchtverein! Wenn die wüßten, wat man hier mitti Langohren macht, krichten die aber lange Ohren. Aber mehr davon dat nächste Mal.

Bis die Tage,
dein Kalle

Folge 3

 
 

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