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In seinem Mitte 2000 erschienenen wunderbaren Bildband "Formentera" beginnt das von Carmelo Convalia Palacios verfasste Kurzporträt mit den Worten "Er hat einen Kinderspitznamen und das Gesicht eines Weisen." Das Buch, so heißt es später, sei eine Liebeserklärung und gleichzeitig ein Aufruf zu gemeinsamer Verantwortung. Mit diesem Satz ist Beni Trutmann, der am vergangenen Sonntagabend (28.04.2002) im Alter von 66 Jahren in seinem Haus auf der Hochebene der Insel einem Herzinfarkt oder einer Lungenembolie erlag, und seine Beziehung zu Formentera so treffend umschrieben, dass man es besser nicht in Worte packen kann.
Leider habe ich Beni erst im September 2000 persönlich kennen gelernt. Erst besuchte ich ihn in seinem Haus und am Tag meiner Rückreise hatten wir uns in der Fonda Platé verabredet und er erzählte mir von seinen Plänen, von seinen Sichtweisen die Insel betreffend. Eine digitale Videokamera wollte er sich kaufen, um festzuhalten, wie überlaufen Formentera zur Hauptsaison sei und wie unmöglich sich viele Touristen dann aufführen würden, mit versteckter kleiner DigiCam und unerkannt wollte er filmen, im Sommer 2001. Nicht mit erhobenem Zeigefinger, sondern als eine Art Realsatire (Beni verfügte über einen knüppelharten Wortwitz), die diejenigen, die darin vorkommen, sowieso nicht verstehen würden. Dazu kam es nicht, weil Beni keine Sponsoren für das Projekt fand. Er konnte sich so richtig in Rage reden und erzählte ein paar Anekdoten, die den wortgewaltigen Schweizer so zeigten, wie er sich in den letzten Jahren seines Lebens wohl gefühlt haben muss: kämpferisch, im Dienste der Insel. Formentera lag ihm trotz der Veränderungen sehr am Herzen, aber er litt fast schon körperlich, wenn er von der Neuzeit und den Zuständen während der Sommermonate sprach.
Seine Insel verließ er von Zeit zu Zeit, um in seinem Atelier in Paris zu arbeiten. Einige Male hat er mich von dort aus angerufen und mir erzählt, dass sich dieses Atelier nicht mehr rechnen würde, viel zu teuer sei. Seinen Tod am Sonntagabend bezeichnet eine gute Freundin auf der Insel als "unnötig", meint im selben Atemzug, dass es aber vielleicht einfach seine Stunde gewesen sei. Beni war mit einem Freund lange, zu lange im noch ziemlich kalten Meer (Wassertemperatur etwa 16 Grad) schwimmen und hatte sich dadurch überanstrengt. Jedenfalls war ihm nicht gut, als er aus dem Wasser ging. Er fuhr aber nicht direkt zur Klinik, sondern verabschiedete sich von seinem Freund und steuerte wie dieser den Heimweg an. Kurze Zeit später rief Beni von seinem Haus aus die Klinik und seinen Freund an, meinte, es gehe im schlecht, er könne nicht mehr richtig atmen. Der Freund raste sofort zur Klinik, fuhr dann dem Krankenwagen voraus, von der Hauptstraße bei Pilar ein Stück weit abwärts, die Buckelpiste hinunter bis zu Benis Haus. Es war zu spät, die Ärzte und sein Freund fanden Beni zusammengebrochen am Boden liegend, alle Rettungsversuche halfen nichts mehr. "Alle sind geschockt", erzählt Benis gute Freundin. Mittlerweile ist Benis Sohn, von dem nur wenige wussten, auf Formentera eingetroffen. Er wird sich um alles Weitere kümmern. Beni wird verbrannt, und da dies auf Formentera nicht möglich ist, wird sein Leichnam in den nächsten Tagen nach Mallorca gebracht. Seine Ideen für die Zukunft, sein stets hellwacher Geist, seine Augen, die Dinge sahen, die andere noch nicht mal erahnten, sein unstetes Wesen, sein Sinn für rauschende Feste mit vielen jungen Leuten in seinem Haus, seine Großzügigkeit und sein messerscharfer Verstand, all das zeigt, dass Beni niemals stehen blieb, nicht in seinem Tun und schon gar nicht in seinem Denken. Er war keiner jener Inselaussteiger, die mehr oder weniger weltfremd vor sich hin leben. Er war überhaupt kein Aussteiger, Formentera diente ihm vielmehr als stete Quelle der Ruhe und auch Inspiration. Immer auf dem Laufenden, politisch sehr interessiert, ein streitbarer Mensch, der mit seiner Meinung nie hinterm Berg hielt. Wenn man ihn wirklich gut kannte, dann mochte man ihn oder man konnte ihn nicht ausstehen, aber egal war er einem nicht.
STATIONEN: -reportagen für namhafte Auto- und Kosmetikfirmen, Arbeit für "Elle" und "Marie-Claire" Beni kooperierte regelmäßig mit Umweltschutzorganisationen wie Greenpeace und GOB (Grupo de Ornotologìa y Defensa de la Naturaleza). LINKS: Feedback von Peter Trutmann, Benis Neffe (4.9.2002): Lieber Uwe, Beni war mein Onkel. Aber, wie typisch in der Trutmann-Familie, sahen wir uns nur selten. Ich moeche Ihnen aber danken fuer die schoenen 'reflections' ueber jemand, der mir philosophisch und kuenstlerisch nahe war. Herzlichen Gruss, Peter Trutmann Auf der Bücherseite der fonda.de sind einige von Beni Trutmanns Werken, darunter auch der ganz oben beschriebene wunderbare Bildband, aufgeführt. Dieser kann nach wie vor direkt über Benis Website bestellt werden. |
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